Wirtschaft : Russland verhandelt mit den westlichen Banken über den teilweisen Erlass der Sowjetschulden

Eine hochrangige russische Delegation unter Vorsitz des russischen Finanzministers Mikhil Kasjano hat gestern mit den im "Londoner Club" zusammengeschlossenen privaten westlichen Gläubigerbanken Verhandlungen aufgenommen, um den Schuldendienst Russlands zu erleichtern. Thema sind Schulden der ehemaligen Sowjetunion in Höhe von 30 Mrd. DM. Sie waren bereits 1997 umgeschuldet worden, doch ihre Bedienung bereitet erneut Schwierigkeiten.

Auf Seiten des "Londoner Clubs" verhandeln unter Vorsitz der Deutschen Bank zehn internationale Banken. Der russischen Delegation gehört dem Vernehmen nach auch der Vorsitzende der Vnesheconombank, Andrej Kostin, an. Zur Aufteilung der Schulden wollte die Deutsche Bank keine Angaben machen. Es handele sich um Einzelengagements von über hundert Banken, die aus Rücksicht auf Kunden nicht bekannt gegeben würden.

Der "Pariser Club" der Gläubigerländer hatte Russland am Sonntag eine Teilumschuldung für acht Mrd. Dollar (7,5 Mrd Euro/14,6 Mrd DM) bei den Verbindlichkeiten eingeräumt. Die ursprünglich zwischen dem 1. Juli 1999 und dem 31. Dezember 2000 fälligen Gelder wurden über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren gestreckt. Über eine umfassende Regelung für die Schulden in Höhe von etwa 100 Mrd. Dollar, die Russland von der ehemaligen Sowjetunion übernommen hat, soll im Herbst nächsten Jahres beraten werden.

Russland hofft angesichts der dramatischen Haushaltslage darauf, dass ihm die Sowjet-Schulden teilweise erlassen werden. Dem "Londoner Club" schuldet das Land 28 Mrd. Dollar. Deutschland als größter Gläubiger Russlands ist gegen einen Erlass der Sowjetschulden. Anfang Juni konnte Rußland 550 Mill. Dollar an den "Londoner Club" nicht zahlen. Allein in diesem Jahr müsste Russland 17,5 Mrd. Dollar zur Bedienung des Schuldenbergs von gut 150 Mrd. Dollar auszahlen. Ein Drittel dieser Schuldensumme ist nach dem Zerfall der Sowjetunion neu entstanden. Auch in Moskau warb die russische Regierung für eine Erleichterung der Schuldenlast. So hieß es in einer jüngst von ihr verbreiteten Erkläung, eine Einigung erleichtere Russland die Lösung sozialer und wirtschaftlicher Probleme in diesem Jahr.

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