Wirtschaft : Russland verspricht mehr Erdöl

Preise an den Ölmärkten geben weiter nach

Bernd Hops

Berlin - Russland wird seinen Erdölexport weiter steigern. Das kündigte der russische Präsident Wladimir Putin am Dienstag an. Die Ölmärkte reagierten mit deutlichen Preisrückgängen auf die Nachricht. Auch an den Tankstellen in Deutschland sind die Preise wieder deutlich gesunken, hieß es beim Mineralölwirtschaftsverband (MWV). Nachdem beim Diesel vergangenen Mittwoch mit 1,01 Euro je Liter im Bundesdurchschnitt ein Rekordwert erreicht worden war, kostete der Treibstoff Anfang dieser Woche 0,947 Euro.

Putin sagte beim Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder, angesichts der angespannten Lage auf dem Ölmarkt werde die Ausfuhr in diesem Jahr auf insgesamt 255 Millionen Tonnen steigen. 2003 waren es noch 228 Millionen Tonnen gewesen. Russland ist nach Saudi-Arabien der wichtigste Ölproduzent weltweit. Bis vor kurzem war noch darüber spekuliert worden, dass der Streit um milliardenschwere Steuernachzahlungen des russischen Ölkonzerns Jukos den Ölexport des Landes stark beeinträchtigen könnte.

Diese Sorgen sind offenbar an den Ölmärkten wieder verschwunden. In New York fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) bis Dienstagabend um rund 0,2 Dollar auf 42,14 Dollar. In London wurden für ein Barrel der Nordseesorte Brent wieder weniger als 40 Dollar verlangt – und der Preis für Öl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) unterschritt das erste Mal seit Monaten wieder die Marke von 39 Dollar.

Vor anderthalb Wochen hatte der Preis in New York mit 49,40 Dollar einen historischen Höchststand erreicht. Seitdem hat sich die Lage beruhigt. Selbst neue Anschläge im Irak und der Ausfall des Ölexports für mindestens eine Woche konnten den Trend nicht gefährden.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen ziehen sich nach Einschätzung von Marktexperten spekulative Anleger wieder aus den Terminmärkten zurück, nachdem es nicht gelungen war, die 50-Dollar-Marke zu überschreiten. Zum anderen ist der Ausblick auf die zukünftigte Versorgungslage optimistischer geworden. Denn neben der aktuellen Ankündigung Russlands, mehr Öl auf die Märkte bringen zu wollen, hat in den vergangenen Tagen auch die Opec eine Erhöhung ihrer Produktion versprochen. Die freien Kapazitäten von ein bis anderthalb Millionen Barrel pro Tag würden jetzt mobilisiert. Über weitere Maßnahmen gegen die hohen Ölpreise – wie den weiteren Ausbau der Kapazitäten – werde auf dem kommenden Opec-Gipfel Mitte September diskutiert.

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