Wirtschaft : Rußlandkrise läßt Fleischberg wachsen

ST.WOLFGANG (tsp).Ohne ein rasches Ende der russischen Finanzkrise drohen den Landwirten der Europäischen Union drastische Einkommensverluste.In einer internen Studie weist die Europäische Kommission darauf hin, daß die Absatzprobleme auf dem zweitwichtigsten Agrarexportmarkt der EU die schon bestehende Überschußsituation bei Rind- und Schweinefleisch weiter verschärfen wird.Die EU-Agrarminister waren sich am Montag bei einem Treffen im österreichischen St.Wolfgang einig, daß der Preisverfall und das Wachsen der Fleischberge gestoppt werden müssen.Die EU überlegt für den Fall einer Bitte der russischen Regierung, auch Lebensmittelhilfe zu leisten.

Nach Angaben der Kommission exportierte die EU im vergangenen Jahr Agrarprodukte für 5,4 Mrd.Ecu (etwa 10,8 Mrd.DM) nach Rußland.Bei Rindfleisch machen der Anteil der Ausfuhren nach Rußland 41 Prozent, bei Schweinefleisch 32 Prozent und bei Geflügel 29 Prozent aus.Schon jetzt liegen infolge der BSE-Krise rund 580 000 Tonnen Rindfleisch in den Kühlhäusern der EU."Ein zusätzlicher Überschuß von etwa 300 000 Tonnen sind nicht auszuschließen", heißt es in dem Bericht, über den die Agrarminister am kommenden Montag in Brüssel offiziell beraten werden.Bei Schweinefleisch zeichnet die Kommission ein ähnlich düsteres Bild.Die Kommission erwägt für beide Sektoren den staatlichen Aufkauf, sowie die Exporterstattungen zu erhöhen.

Rußland ist laut Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert in den vergangenen Jahren zu einem immer wichtigeren Abnehmer auch deutscher Agrarausfuhren geworden.Das Volumen habe 1997 bei ungefähr drei Mrd.DM gelegen.Von Januar bis Mai 1998 allein seien bereits Lieferungen im Wert von etwa 1,4 Mrd.DM erfolgt.

"Im Augenblick gibt es so gut wie keinen Export nach Rußland mehr", sagte Borchert am Rande des Treffens.Auch die Kommission stellt fest, daß der Handel in US-Dollar und D-Mark praktisch brach liege.Borchert sagte, er werde versuchen, Konkurse von Betrieben abzuwenden.Er erinnerte an ein Kreditprogramm der Bundesregierung mit niedrigen Zinsen von 200 Mill.DM.Der österreichische Minister und amtierende Ratspräsident Wilhelm Molterer wies auch auf die Gefahren der Rußlandkrise für die Weltagrarmärkte hin.Alle Exporteure suchten derzeit nach Ausweichmärkten.Das verschärfe die Konkurrenz.Er will sich dafür einsetzen, daß die EU sich umgehend auf Hilfslieferungen von Lebensmitteln nach Rußland vorbereitet.Auch der neue britische Minister Nick Brown befürwortete die Idee.

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