Wirtschaft : Russlands Gefangene

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Ein Jahr ist vergangenen, seit Russlands wohlhabendster Oligarch verhaftet wurde. Der daraus resultierende wirtschaftliche Schaden wächst parallel zu der wachsenden Neigung des Kremls, in sein altes staatsgläubiges Gebaren zurückzufallen.

Die Inhaftierung von Michail Chodorkowski und der drohende Kollaps seines Erdölkonzerns Yukos werden in Europa und den USA mit Sorge registriert. Doch bislang gibt es wenig Anzeichen, dass die Sorgen des Westens Russlands Präsident Putin zum Kurswechsel bewegen könnten. Vielleicht wird ihn aber seine schwindende Popularität im eigenen Land beunruhigen. Die Konsequenzen für Russland und seine Investoren sind bereits messbar. Manchen Schätzungen zufolge liegen die Verluste in zweistelliger Milliardenhöhe. Welcher Investor wird schon gern in die russische Wirtschaft investieren wollen, wenn man dort für die Zukunft ähnliche staatliche Eingriffe befürchten muss? Und wie ist es möglich, dass Putin die Risiken, die er heraufbeschwört, nicht wahrnimmt?

Chodorkowskis Verteidiger Juri Schmidt weist darauf hin, dass russische Politiker eine lange Tradition haben, persönliche Interessen über das Wohl des Landes zu stellen.

Putins Reaktion auf die Tragödie von Beslan, die Direktwahl regionaler Gouverneure und Mitglieder der Duma abzuschaffen, ist eine weitere Abkehr von Russlands Versuch, sich zu einer Demokratie mit einer wirklich repräsentativen Regierung zu entwickeln. Obwohl George W. Bush bemüht ist, ein gutes Verhältnis zu Putin zu bewahren, trübt sich die Stimmung. Zuletzt kam vom US-Außenministerium die bislang schärfste Äußerung zum Fall Chodorkowski. Der Fall würde für die Wahrnehmung russischen Umgangs mit Menschenrechten nichts Gutes verheißen, hieß es.

Es ist richtig, wenn die westlichen Länder ihrer Besorgnis über Putins Maßnahmen, die Uhr zurückzudrehen, Ausdruck verleihen. Wenn er diesen Vorbehalten Beachtung schenkt, wird er allen einen Gefallen tun, einschließlich des russischen Volkes – und vor allem sich selbst.

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