Wirtschaft : RWE beendet Einkaufstour

Versorger will sich auf Schuldenabbau konzentrieren / Gewinne im Stromgeschäft stark gestiegen

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Essen (tas). 2003 soll für RWE und Harry Roels das Jahr der finanziellen und operativen Disziplin werden. Der neue Konzernlenker des Essener Energieversorgers RWE kündigte am Montag zur Bilanzvorlage an, nach der Einkaufstour der vergangenen Jahre stehe nun die Integration und Ergebnisverbesserung im neu formierten Konzern im Vordergrund. „Die Zeit der Großakquisitionen ist vorbei“, sagte Roels. „Unsere Priorität ist es jetzt, das Beste aus dem Herauszuholen, was wir bisher haben.“

Roels, der seit zwei Wochen Vorstandschef ist, kündigte an, die Unternehmensstrategie seines Vorgängers Dietmer Kuhnt weiterzuführen. Der hatte den Konzern in den letzten Jahren zu einem reinen Versorger umgebaut und ihn auf die vier Konzernbeine Strom, Gas, Wasser und Abfallentsorgung gestellt. Für zahlreiche Zukäufe hatte Kuhnt rund 32 Milliarden Euro ausgegeben. Durch den Kauf von Thames Water und American Water ist RWE inzwischen der drittgrößte Wasserversorger der Welt. Die Übernahme des britischen Stromversorgers Innogy katapultierte RWE unter die Top drei in Großbritannien. Und in Zentralosteuropa wuchs RWE durch die Übernahme der tschechischen Transgas und acht Regionalversorger in eine führende Position.

Kehrseite der Medaille: Der Schuldenberg des Essener Konzerns ist mittlerweile auf 25 Milliarden Euro angewachsen. „Der schrittweise Abbau der Nettoverschuldung hat nun hohe Priorität“, sagte Roels. Bereits im laufenden Geschäftsjahr soll der Betrag unter 24 Milliarden Euro gedrückt werden, bis Ende 2005 werden weitere zwei Milliarden Euro abgetragen sein, versprach Roels.

Auf der operativen Seite haben die Zukäufe den Konzern gestärkt. Nach Angaben von RWE konnte das Betriebsergebnis im Geschäftsjahr 2002 um 15 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesteigert werden. Das Unternehmen habe damit seine eigene Prognose übertroffen, sagte Roels. Auch Analysten hatten im Schnitt mit schlechteren Zahlen gerechnet und sehen das Kursziel der in den letzten Monaten unter die Räder gekommenen Aktie über den derzeitigen 19 Euro.

Erneut war das Stromgeschäft die tragende Säule im Konzern. Der Betriebsgewinn wuchs in dieser Sparte um mehr als die Hälfte auf knapp 2,8 Milliarden Euro und macht mittlerweile 60 Prozent des Betriebsergebnisses aus. Weil RWE im laufenden Jahr den britischen Energieversorger Innogy vollständig in die Bilanz einbezieht und mit mindestens stabilen Strompreisen rechnet, werden 2003 weitere Ergebniszuwächse erwartet. Sorgen bereitet den Essenern dagegen die Umweltsparte. Hier brachen die Betriebsgewinne um ein Drittel auf 98 Millionen Euro ein. RWE begründete dies mit dem Rückgang der Abfallmengen und dem sich weiter verschärfenden Wettbewerbsbedingungen. Schlecht läuft es auch bei der Tochter Heidelberger Druckmaschinen. Dort ist das Betriebsergebnis 2002 um 56 Prozent eingebrochen und wird laut RWE wohl auch 2003 nochmals zurückgehen.

An den Verkauf der Beteiligungen – darunter auch der Baukonzern Hochtief – denkt Roels derzeit jedoch nicht: „Von beiden werden wir uns zum richtigen Zeitpunkt trennen, aber nicht zum derzeitigen Preis.“ Nachdem die Abschreibungen auf die Unternehmenskäufe (Goodwill) bereits 2002 den Nettogewinn auf 1,05 Milliarden Euro schrumpfen ließen (minus 22 Prozent), werden diese auch die Bilanz 2003 belastet. Das Management rechnet mit 1,1 Milliarden Euro an Goodwill . Dies habe einen neuerlichen Rückgang des Nettogewinns um 25 bis 30 Prozent zur Folge. RWEChef Roels kündigte für den Sommer auch ein Programm zum Konzernumbau an. Der Aufsichtsrat sei in der vergangenen Woche vom Vorstand darüber informiert worden, dass bis zu diesem Zeitpunkt ein Konzept „zur Optimierung der Konzernorganisation“ entworfen werde. Nähere Einzelheiten des Umbauplans wollte Roels jedoch nicht nennen. In unbestätigten Presseberichten wurde über die Straffung der Führungsstruktur und die Zusammenlegung von Strom- und Gasbereichen spekuliert. Bereits in der vergangenen Woche wurde der Vorstand um zwei Posten verkleinert.

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