Wirtschaft : RWE betreibt Stromhandel von London aus

ESSEN (ews/jsn/HB).Im härter werdenden Energiegeschäft setzen die Unternehmen immer stärker auf den Handel mit Kilowattstunden.So hat der größte private europäische Stromproduzent, die Essener RWE Energie AG, in London die RWE Energy Trading Ltd.gegründet."Damit werden wir unsere Handelsposition europaweit weiter ausbauen", erklärte Manfred Remmel, Vorstandsvorsitzender der RWE Energie.

Aufgabe der jüngsten Tochter, die im vierten Quartal die Arbeit in London und Essen aufnehmen soll, sei der physische Handel mit Strom - später auch Gas.Gleichzeitig soll der Handel mit sogenannten Energie-Derivaten forciert werden.Wie beim Vorbild, den "Optionsgeschäften" an den Finanzmärkten, wird dabei mit zukünftigen Stromlieferungen zu heute bereits feststehenden Preisen spekuliert.Mit Hilfe von Derivaten sei es möglich, variable Preise in den Energielieferverträgen in Festkonditionen umzuwandeln und umgekehrt feste Preise variabel zu gestalten, sagte Remmel.Denn Kunden wollten Flexibilität.So könne man sich vorstellen, daß sich der Strompreis für Aluminiumerzeuger während der vertraglichen Laufzeit am Alupreisindex orientiere.

Der Standort London für die Handelstochter sei gewählt worden, weil dort ein zentraler Handelsplatz für Öl und Gas existiere und zugleich eine Position für den englischen Markt bezogen werden könne.Außerdem ließ Remmel durchblicken, daß eine so hochbezahlte Mannschaft - von der Schweizer UBS wurde ein fünfköpfiges Händlerteam abgeworben - nur am Platz London motiviert werden könnte.Die Energy Trading, die im Namen der RWE Energie Geschäfte tätigt, werde zwar als Profit Center operieren, aber angesichts der hohen Risiken dieses Geschäfts dennoch an der kurzen Leine geführt.In der Hauptverwaltung in Essen, würde ein "back office" die Abwicklung und Kreditprüfung übernehmen.

Hintergrund für die Neuorientierung ist der stark gewachsene Stromhandel, der bei RWE wie auch im Durchschnitt Westeuropas heute bei zehn Prozent des gesamten Stromverbrauchs liegt und bis 2003 nach Expertenmeinung auf 70 Prozent ansteigen soll.In Deutschland haben sich die Städte Frankfurt, Hannover, Leipzig und Düsseldorf als Standort einer "Strombörse" beworben.Der Berliner Stromversorger Bewag wickelt erste Stromhandelsumsätze über einen eigenen "Trading-Floor" ab.

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