Wirtschaft : RWE empört über RAG-Chef Müller

Stromkonzern: Ex-Minister hat Aufsichtsrat düpiert

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Düsseldorf - Ein heftiger Disput mit Großaktionär RWE belastet die Börsenambitionen des RAG-Konzerns. RWE hat sich in einem Schreiben an Eon-Chef Wulf Bernotat, der den RAG-Aufsichtsrat leitet, über den Chef der ehemaligen Ruhrkohle, Werner Müller, beschwert. Müller habe weitreichende Beschlüsse – insbesondere den vor kurzem angekündigten Verkauf der Tochter Saar Ferngas an den anderen RAG-Aktionär Arcelor Mittal – ohne vorherige Zustimmung des Kontrollgremiums gefasst, heißt es in dem Schreiben, das dem „Handelsblatt“ vorliegt. Der Sachverhalt soll auf einer außerordentlichen Aufsichtsratsitzung Ende Mai geklärt werden.

„Wir haben in bestimmten Punkten, die Satzungsfragen im RAG-Aufsichtsrat betreffen, Differenzen“, bestätigte ein RWE-Sprecher gestern, ohne Einzelheiten zu nennen. Die RAG wies die Vorwürfe zurück. Der Vorstand werde die geplante Aufsichtsratssitzung nutzen, um seine Sicht „erneut und sehr präzise“ darzulegen, sagte ein Sprecher. Müller hat sich seinerseits in einem Schreiben an Aufsichtsratschef Bernotat über die gegen ihn erhobenen Vorwürfe verwundert gezeigt.

Die RAG ist beim geplanten Börsengang auf die Zustimmung aller Aktionäre angewiesen. Während sich Eon, RWE und Thyssen-Krupp schon vor längerem bereit erklärt hatten, ihre Anteile für einen symbolischen Preis von einem Euro abzugeben, hat sich der luxemburgische Stahlkonzern Arcelor Mittal lange geziert. Erst vor wenigen Wochen brach Müller dessen Widerstand. Im Gegenzug stellte er Arcelor Mittal die Übernahme der RAG-Beteiligung an der lukrativen Gasgesellschaft Saar Ferngas in Aussicht.

Der RWE-Konzern fühlt sich durch das Abkommen brüskiert. Er selbst hatte im vergangenen Jahr einen Vertrag über den Kauf des knapp 80-prozentigen Anteils, der rund 400 Millionen Euro wert sein soll, geschlossen. Das Bundeskartellamt hat die Transaktion aber untersagt. RWE hat zwar Beschwerde eingelegt. Sollte der Konzern aber nicht bis zum Sommer auf dem Rechtsweg erfolgreich sein, fällt Saar Ferngas wieder an die RAG zurück. Arcelor Mittal hat dann zwei Monate lang die Option, zu gleichen Bedingungen wie RWE die Gasgesellschaft zu übernehmen.

Das Schreiben an Bernotat wurde von den beiden RWE-Vorstandsmitgliedern Jan Zilius und Berthold Bonekamp unterzeichnet. Sie werfen dem RAG-Vorstand vor, den Aufsichtsrat nicht ausreichend über die Details der Vereinbarung mit Arcelor Mittal informiert und vor dem Abschluss der notariellen Vereinbarung nicht die Zustimmung des Aufsichtsrates eingeholt zu haben. Müller betont dagegen, dass die Anteilseigner bereits am 19. März ausführlich über die Abmachung mit Arcelor Mittal informiert worden seien. RWE trat Spekulationen entgegen, man wolle nun den geplanten Börsengang der RAG verhindern. Der RWE-Sprecher betonte, man sei auch nicht an einer Zerschlagung der RAG interessiert.

Der Streit kommt Müllers Gegnern gelegen. Noch wird in der Politik heftig um die Satzung der geplanten Stiftung gerungen, die den Börsengang und den geplanten Ausstieg aus dem subventionierten Steinkohlebergbau leiten soll. Die nordrhein-westfälische Landesregierung versucht mit Vehemenz zu verhindern, dass Müller den Vorsitz der Stiftung übernimmt. juf (HB)

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