Wirtschaft : RWE erreicht sein Etappenziel

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Der Medienkonzern Bertelsmann strebt die vollständige Übernahme der RTL Group an und konkretisiert damit seine Börsenpläne. Bertelsmann habe dem RTL-Verwaltungsrat sein mögliches öffentliches Kaufangebot für die elf Prozent an RTL erläutert, die noch nicht von Bertelsmann kontrolliert werden, teilten beide Unternehmen am Dienstag mit. Das RTL-Gremium werde das Vorhaben nun gemeinsam mit unabhängigen Finanzberatern prüfen. Bertelsmann bereite sich gleichzeitig darauf vor, den freien RTL-Aktionären von Februar an je 44 Euro für ihre Aktien zu bieten. Erst vor zwei Wochen hatte Bertelsmann angekündigt, von der britischen Mediengruppe Pearson weitere 22 Prozent der RTL-Anteile übernehmen zu wollen und damit seine Beteiligung an RTL auf 89 Prozent aufzustocken.

Mit der angestrebten 100-Prozent-Mehrheit beugt Bertelsmann möglichen Problemen bei einem künftigen Börsengang vor. Marktbeobachtern zufolge muss Bertelsmann RTL vollständig integieren, um zu vermeiden, dass die Börse bei der künftigen Bewertung von Bertelsmann einen Holding-Abschlag einkalkuliert. "Die wertvollste Beteiligung muss von Bertelsmann vollständig kontrolliert werden", so ein Beobachter. "Sonst gibt es Abzüge." Offenbar rückt damit auch ein Delisting der RTL-Aktie näher: "RTL von der Börse zu nehmen, ist eine Option", bestätigte ein Bertelsmann-Sprecher dem Tagesspiegel entsprechende Pläne.

Direkt hält Bertelsmann zuzeit nur 52 Prozent an der RTL Group. Weitere 37 Prozent werden über die BW TV gehalten, an der Bertelsmann 80 Prozent und die Essener WAZ-Gruppe 20 Prozent besitzt. Was die WAZ-Gruppe, die sich aus dem TV-Geschäft zurückziehen will, mit diesem Anteil macht ist offen. Die Zeitungsgruppe hat ein Vorkaufsrecht, sollte Bertelsmann wie geplant den verbleibenden RTL-Aktionären ein Kaufangebot unterbreiten. Damit könnte die Pläne der Gütersloher aber durchkreuzt werden. "Wir haben der WAZ-Gruppe zwei Monate gegeben, um zu entscheiden, was sie mit ihrem Anteil tun will", sagte der Bertelsmann-Sprecher.

Die Expansion von Bertelsmann wird unterdessen von einer unerwartet hohen Finanzspritze aus dem Verkauf der AOL Europe-Anteile erleichtert. So will AOL Time Warner für 49,5 Prozent am Onlinedienst AOL Europe bar an die Bertelsmann bezahlen.

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