Wirtschaft : RWE kauft Gas-Monopolisten in Tschechien

jow/ews/HB

Der deutsche Energiekonzern RWE sticht seine Konkurrenten Eon und Ruhrgas in Tschechien aus und verschafft sich einen wichtigen Baustein in seiner europäischen Erdgasstrategie. Tschechiens Regierung beschloss am Montag, den Erdgas-Importeur Transgas und die Staatsmehrheit an allen acht regionalen Gasversorgern für 4,1 Milliarden Euro an die Dortmunder RWE Gas AG zu verkaufen.

Dass RWE diesen überraschend hohen Preis für Transgas bezahlt, ist ein deutliches Indiz für die Bedeutung, die der Essener Versorger dem Tschechien-Engagement einräumt. Denn das umfangreiche Pipeline-System war für RWE fast die letzte Chance, um im attraktiven Ferngasgeschäft noch eine Führungsrolle in Europa zu erlangen. Die Tschechen betreiben eine der Haupttransitleitungen für russisches Erdgas. Insgesamt 20 Prozent des in Westeuropa verbrauchten Gases fließen durch diese Leitungen.

RWE-Chef Dietmar Kuhnt freute sich: "Wir stoßen in die Spitzenliga der europäischen Gasversorger vor." Dafür hat der Konzern einen Preis bezahlt, der dem 9,5-fachen des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) entspricht. Nach Ansicht von RWE liegt das im Rahmen der Bewertung ähnlicher Gastransaktionen. Analysten meinen dagegen, dies liege am oberen Rand. Vorgegeben hatte Prag einen Preiswunsch von drei Milliarden Euro. Dabei galt nicht RWE, sondern ein Konsortium aus Ruhrgas, Gaz de France und der italienischen Snam als aussichtsreichster Bewerber. Zwar bot auch RWE-Konkurrent Eon mit. Da Eon gleichzeitig dabei ist, sich eine Mehrheit an der Ruhrgas, dem mit Abstand wichtigsten deutschen Gasunternehmen, zu sichern, wurden diesem Angebot jedoch wenig Chancen eingeräumt. Allerdings hat Eon zuletzt versucht, in Tschechien mit dabei zu sein, und immerhin 3,7 Milliarden Euro Transgas geboten.

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