Wirtschaft : RWE ohne Glück im Entsorgungsgeschäft

Jahresbilanz: Kuhnt gesteht Fehler ein / Asien ohne Auswirkungen ESSEN (aho).Es kommt nicht allzu oft vor, daß Manager Fehler eingestehen - noch dazu auf einer Bilanzpressekonferenz.Doch Dietmar Kuhnt spricht an diesem Donnerstag von einem "erheblichen Rückschlag", von "Managementfehlern" und von "überhöhten Preisen", die sein Unternehmen gezahlt habe.Kuhnts offene Worte haben einen simplen Grund: Der Essener Energiekonzern RWE hat seine Entsorgungssparte zwar inzwischen zum Branchenführer hierzulande aufgebaut, gleichzeitig vernichtet sie enormes Kapital. Allein im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 1997/98 zahlt RWE einen Sonderaufwand von 218 Mill.DM für die Umstrukturierung des Ost-Europa-Geschäfts.Für das zweite Halbjahr wird zusätzlich ein ähnlich hoher Betrag für die gesamte Sparte fällig.Das bleibt nicht ohne Folgen.RWE-Konzernchef Kuhnt will sich von 133 Töchtern mit einem Gesamtumsatz von 500 Mill.DM trennen.Knapp 2500 Beschäftigte der derzeit 17 000 Arbeitnehmer in der Entsorgung wechseln zu neuen Eigentümern.Daneben verringert Kuhnt Kapazitäten, legt Sondermüllanlagen still und schreibt Werte ab.In den nächsten drei Jahren soll das Ergebnis in diesem Geschäft um 200 Mill.DM steigen.1996/97 setzten die Essener in der Entsorgung - einschließlich aller Töchter - zwar 3,5 Mrd.DM um.Gleichzeitig mußten sie in ihrer Bilanz Werte von knapp 800 Mill.DM berichtigen - Folgen einer falschen Markteinschätzung und einer zögerlichen Bonner Gesetzgebung bei der Entsorgung.Insgesamt stehen Anteile zum Verkauf, die 1,3 Mrd.DM Umsatz repräsentieren. Ansonsten sieht der Vorstandsvorsitzende positiv in die Zukunft: "Die Asienkrise wird bei uns keine Auswirkungen haben." So sei der Konzernumsatz mit 380 Mill.DM in der Region gering.Die RWE-Bautochter Hochtief sei nur wenig betroffen.Insgesamt kletterte der Konzernerlös im ersten Halbjahr 1997/98 um zwei Prozent auf 36,8 Mrd.DM, vor allem weil neue Töchter in der Bilanz auftauchen.Ohne die Zukäufe sank der Erlös um 1,9 Prozent.Das Ergebnis kletterte um 9,2 Prozent auf 626 Mill.DM.Für das gesamte Jahr 1997/98 soll sich die "positive Entwicklung" fortsetzen.Gleichzeitig geht der Stellenabbau voran.Rund 3300 Arbeitsplätze sind - ohne Zukäufe gerechnet - im ersten Halbjahr weggefallen, weitere 1700 folgen in den kommenden sechs Monaten.

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