Wirtschaft : RWE profitiert von hohen Strompreisen Energiekonzern steigert Gewinn um fünf Prozent

Anselm Waldermann

Berlin – Nach den Energiekonzernen Eon und EnBW hat am Donnerstag auch der Versorger RWE hervorragende Zahlen vorgelegt. Vor allem dank der hohen Strompreise kam RWE im ersten Halbjahr auf ein Konzernergebnis von 3,5 Milliarden Euro – 5,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Bereinigt um Firmenverkäufe und Wechselkurseffekte lag das Plus sogar bei elf Prozent. Verbraucherschützer kritisieren seit Monaten das hohe Strompreisniveau in Deutschland.

RWE ist nach Eon der zweitgrößte Energieversorger in Deutschland. Das Unternehmen ist vor allem in Nordrhein-Westfalen aktiv. Der Umsatz des Konzerns ging im ersten Halbjahr zwar um 1,8 Prozent auf 20,7 Milliarden Euro zurück. Ohne Sondereffekte und Wechselkursschwankungen ist der Umsatz aber um 13 Prozent gestiegen. RWE habe von den hohen Großhandelspreisen für Strom profitiert, sagte Finanzvorstand Klaus Sturany. Auch im Gesamtjahr erwartet der Konzern beim Gewinn ein Plus im einstelligen Prozentbereich. Belastet wurde das Ergebnis hingegen durch das Geschäft in Großbritannien. An der Börse verloren RWE-Titel bis zum Börsenschluss 1,6 Prozent auf 55,31 Euro. Analysten nannten die Zahlen dennoch „viel versprechend“.

Industrielle Energiekunden kritisierten die Entwicklung. „Die hohen Energiepreise sind nicht gut für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen“, sagte Arnim Rockholz, Umweltreferent beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), dem Tagesspiegel. „Die Energieversorgung muss nicht nur sicher, sondern auch preiswerter sein.“ Indirekt warf er den Stromkonzernen einen Missbrauch ihrer Marktmacht vor: „Wir brauchen mehr Wettbewerb innerhalb der Energiewirtschaft. Dann können die Preise auch wieder sinken.“

RWE möchte in diesem Jahr rund vier Milliarden Euro in Sachanlagen investieren – vor allem in die Modernisierung von Kraftwerken. Konzernchef Harry Roels sagte, er halte an den Investitionen fest, auch wenn eine unionsgeführte Bundesregierung die Laufzeiten von Atomkraftwerken verlängern sollte. Kernkraftgegner befürchten hingegen, dass längere Atomlaufzeiten nötige Investitionen in Kohlekraftwerke verzögern würden.

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