Wirtschaft : RWE setzt alles auf eine Karte

DANIEL WETZEL

Wer in einem Geschäftsfeld nicht mehr zu den drei Besten der Branche gehört, steigt besser ganz aus.Auch RWE-Chef Dietmar Kuhnt hat die von den Börsen diktierte Grundweisheit der Globalisierung begriffen.Kuhnt nimmt daher das Milliarden-Desaster der Telefontochter Otelo zum Anlaß, mit eisernem Besen gründlich auszukehren: Was nicht zum Kerngeschäft Energie und Versorgung gehört, fliegt aus dem Konzern.Vor ihm haben andere ihre Unternehmen ähnlich kompromißlos zurechtgestutzt: Daimler-Chef Schrempp etwa oder Veba-Vorstand Hartmann.Der Unterschied ist: Die Essener RWE hat es schwerer.

Die Schwäche des Konzerns liegt in der Produktion: Die RWE verfügt über weniger Atomkraftwerke als die Hauptkonkurrenten PreussenElektra, Bayernwerk oder Electricité de France.Strom wird vergleichsweise teuer vor allem aus dem Verbrennen von Braunkohle gewonnen.Während Milliarden-Summen durch den Tagebau Garzweiler II gebunden werden, bleibt für Investitionen in moderne Gaskraftwerke zuwenig übrig.Dazu kommt, daß die Atomkraftwerke der RWE zu den ältesten in Deutschland gehören.Ergeben die Atomausstiegsverhandlungen, daß altersschwache Meiler als erste vom Netz müssen, wäre die RWE besonders betroffen.

Vor diesem Hintergrund erscheint der Plan, die Umsätze im Energiebereich in den nächsten zehn Jahren auf 150 Milliarden Mark zu versechsfachen, sehr ambitioniert.Doch das Ziel kann erreicht werden.Die zersplitterte deutsche Energiewirtschaft steht kurz vor einer Fusionswelle.Nur eine Handvoll großer Verbundunternehmen dürften von den heute rund 900 Regionalversorgern und Stadtwerken übrigbleiben.Mit den Hamburger Elektricitätswerken und der Energie Baden-Württemberg, die beide vor der Privatisierung stehen, sind zwei der wichtigsten Schnäppchen bereits auf dem Markt.Die Glaubwürdigkeit des RWE-Umbaus steht und fällt mit dem Glück im Übernahme-Poker.

0 Kommentare

Neuester Kommentar