Wirtschaft : RWE: Sparprogramm verordnet

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In der Strombranche können die Programme zur Kostensenkung mit dem Preisverfall nicht mithalten. So verfallen die Erträge nach der Liberalisierung dramatischer als angenommen. Das stellte Dietmar Kuhnt, Vorstandsvorsitzender der RWE AG, Essen, bei der Vorlage der Bilanz für das Geschäftsjahr 1999/00 (30. Juni) fest. Deshalb hat der größte deutsche Stromerzeuger die "sehr ehrgeizigen Ziele bei der Kapitalrendite ein Jahr nach hinten verschoben", so Kuhnt. Die angestrebten 15 Prozent werden nun erst für 2003/04 erwartet.

Nach der Fusion mit VEW werde nun das in Gang gesetzte Kostensenkungsprogramm forciert, mit dem in den nächsten drei Jahren 2,6 Milliarden Euro eingespart werden sollen, erklärte Kuhnt weiter. Im laufenden Geschäftsjahr werde aber die Ertragswende mit einer Entlastung um eine Milliarde Euro noch nicht geschafft, auch wenn die Perspektiven wieder positiver seien. "Durch den Ausbau unserer Marktposition in den Kerngeschäften Strom, Gas, Wasser und Entsorgung sind wir für den Einstieg in den Wettbewerb auf europäischer Ebene besser aufgestellt", gibt der RWE-Chef vor. Dazu gehört vor allem die Übernahme der britischen, hochprofitablen Thames Water.

Bei Umsatz und betrieblichem Ergebnis erwartet Kuhnt im laufenden Geschäftsjahr Stagnation. Allerdings würde es ohne die Fusion mit VEW um zehn Prozent niedriger ausfallen. Die Belastungen werden weiter aus dem Strombereich kommen, doch soll das Ergebnis nur moderat zurückgehen. Und das, obwohl zum Preiskampf noch negative Effekte von den Gesetzen zur Förderung erneuerbarer Energien und zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) kommen.

Bei den Strompreisen sieht er Anzeichen für eine Stabilisierung. Im Großhandelsgeschäft sei seit Jahresmitte das Niveau um 15 Prozent als Folge höherer Preise für Steinkohle und Gas sowie als erste Auswirkung der angekündigten Kapazitätsstillegungen gesunken. Dieser Trend sei bei den Industriekunden und Verteilerunternehmen mit einem leichten Anstieg angekommen. Die Geschäftskunden profitierten noch davon, dass einige Wettbewerber ihre Preispolitik nicht an den Großhandelspreisen ausrichten würden, sondern aggressiv um Marktanteile kämpften. Bei Haushalts- und Gewerbekunden blieben die Preise stabil. Für die Aktionäre, die für 1999/00 wieder einen Dividende erhalten sollen, hatte Kuhnt zwei "gute Nachrichten": Einmal will die RWE AG schon für 2001 das Geschäftsjahr dem Kalenderjahr anpassen und damit die Vorteile der Steuerentlastung im kommenden Jahr nutzen. Zum anderen wird sich die Zahl der Aktien nach der Fusion dank des Rückkaufprogramms nur um drei Prozent erhöhen.

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