Wirtschaft : RWE spielt bei Biblis auf Zeit

Energiekonzern hofft auf Regierungswechsel

Düsseldorf - RWE kämpft mit aller Macht für eine längere Laufzeit des Atomkraftwerks Biblis A. Der Energiekonzern setzte nun eine ungewöhnlich lange Revision an, die unmittelbar vor der Bundestagswahl 2009 endet. RWE hoffe weiter, bei einem Regierungswechsel den umstrittenen Reaktor länger am Netz lassen zu dürfen, bestätigten Konzernkreise. Mit der Revision will sich das Unternehmen nun offenbar zusätzlichen Spielraum verschaffen. Biblis A soll im kommenden Jahr vom 9. Mai bis 5. September gewartet werden – also fast vier Monate lang. Das geht aus Daten hervor, die RWE im Internet Großhändlern zur Verfügung stellt. Bislang war der Stillstand vom 25. März bis 30. April geplant.

Biblis A ist der nächste Reaktor, der nach dem 2002 von der damaligen rot- grünen Regierung und den Versorgern ausgehandelten Atomkonsens abgeschaltet werden müsste. Zugebilligt wurden den 19 Anlagen Reststrommengen, die jedem Reaktor eine Laufzeit von insgesamt im Schnitt 32 Jahre ermöglichen sollten. Bislang sind aber nur Stade und Obrigheim vom Netz. Bis 2009 wird vermutlich kein weiterer Reaktor folgen.

Dabei wäre Biblis A bei normalem Betrieb schon 2008 an der Reihe gewesen. RWE profitierte aber bereits von einem ersten Stillstand: Da der Konzern in dem Reaktor tausende fehlerhaft montierte Dübel austauschen musste, stand die Anlage anderthalb Jahre lang still. Erst Anfang Februar fuhr der Betreiber RWE sie wieder hoch. Zu dem Zeitpunkt verfügte der Reaktor nach Daten des Bundesamtes für Strahlenschutz noch über eine Reststrommenge von 13 681 Gigawattstunden. Dies allein würde bei der bisher üblichen Produktion bis nach Oktober 2009 reichen, wenn die nächste Bundestagswahl stattfinden muss. Mit der jetzt geplanten Revision dürfte RWE sicher ins Jahr 2010 kommen.

Bei einem Regierungswechsel zu einer Koalition aus CDU und FDP, die sich für die Kernenergie aussprechen, wäre so genug Zeit vorhanden, um den Atomausstieg zu revidieren und eine Verlängerung der Laufzeiten zu beschließen. Gleichzeitig gewinnt RWE Zeit für laufende Gerichtsverfahren. Der Konzern will erreichen, Reststrommengen von anderen Anlagen auf Biblis zu übertragen. juf (HB)

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