Wirtschaft : RWE verkauft Stromnetz Investorengruppe zahlt eine Milliarde Euro

Düsseldorf/Essen - Der Energiekonzern RWE trennt sich von seinem überregionalen Stromnetz in Deutschland. Der Verkauf der Tochter Amprion an eine Investorengruppe um die Commerzbank sei perfekt, hieß es am Mittwoch in Finanzkreisen. Der Kaufpreis betrage etwas mehr als eine Milliarde Euro – inklusive Schulden. RWE werde aber noch eine Minderheitsbeteiligung von rund 25 Prozent behalten. Der Konzern selbst lehnte einen Kommentar ab.

Amprion ist neben drei anderen Unternehmen für eine Region der deutschen Höchstspannungsleitungen zuständig, die den Strom überregional transportieren. Es betreibt 11 000 Kilometer an Leitungen in West- und Südwestdeutschland, über die rund 25 Millionen Einwohner versorgt werden.

Während sich Eon und Vattenfall bereits 2010 von ihren Übertragungsnetzen getrennt haben, hatte RWE-Chef Jürgen Großmann lange Zeit an der Tochter festgehalten, weil er den Stromtransport als wichtigen Bestandteil des Geschäftsmodells ansah. Letztlich wurde Großmann aus Kostengründen zum Verkauf des Aktienpaketes gezwungen. RWE benötigt Geld, um die hohe Verschuldung zu drücken und die Belastungen durch Emissionshandel und Atomausstieg abzufedern. Der Konzern will Töchter im Volumen von acht Milliarden Euro verkaufen. In Konzernkreisen wird damit gerechnet, dass das Programm aufgestockt wird.

Trotzdem will RWE Milliarden investieren. Bis 2014 will der Konzern vorrangig seine konventionellen Kraftwerksprojekte abschließen. Das größte Investitionsprogramm der Unternehmensgeschichte soll zwischen Großbritannien und der Türkei 13 000 Megawatt (MW) neue Kapazitäten bringen, ein Drittel davon in Deutschland. Es geht um 2100 MW aus Braunkohle am Niederrhein, um 1528 MW aus Steinkohle in Westfalen und die kürzlich installierten 876 MW aus Gas im niedersächsischen Lingen. HB/dpa

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