Wirtschaft : RWE vertreibt Strom künftig auch über Quelle-Versandhandel

Die RWE Energie AG (Essen) will zusammen mit der Quelle AG (Fürth) mit Strom aus dem Versandhauskatalog neue Vertriebswege erschließen. Wie der größte deutsche Stromkonzern am Dienstag in Essen berichtete, wurde zwischen beiden Unternehmen eine entsprechende Vertriebspartnerschaft geschlossen. RWE hatte bereits Anfang September eine deutliche Verstärkung seiner Vertriebsaktivitäten angekündigt. Erstmals will das Unternehmen auch mit der R + T Umwelt-Gruppe Strom mit Unterstützung einer Konzerntochter vertreiben.

RWE wird den von Quelle-Kunden bestellten Strom zu vergleichbaren Konditionen liefern, die auch Abnehmern des unter dem Namen "Avanza" angebotenen RWE-Stroms eingeräumt werden, hieß es. Erst vor knapp zwei Wochen hatte RWE eine weitere Senkung der Strompreise für Privatkunden um knapp zwei Pfennige auf 23,99 Pfennig brutto je Kilowattstunde angekündigt.

Nach dem Start der bundesweiten Werbeaktion für Privatkunden hätten jedoch bundesweit erst "einige tausend" Stromkunden" außerhalb des traditionellen RWE-Versorgungsgebiets das Angebot wahrgenommen, hieß es. Im eigenen Versorgungsgebiet beliefert RWE rund 2,3 Millionen Privatkunden mit Strom. Im RWE-Stammgebiet zahlen die Kunden bei identischen Preisen für die verbrauchte Kilowattstunde eine mit 69,43 Mark pro Jahr nahezu halbierte Grundgebühr.

Unterdessen hat sich der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Wilhelm Schmidt, optimistisch gezeigt, dass sich die Fraktion bis Ende September auf einen Kompromiss zur Deregulierung des Strommarktes verständigt, der auch die Interessen der kommunalen Stadtwerke angemessen berücksichtigt. Wie Schmidt am Dienstag vor Journalisten in Berlin mitteilte, gab es dazu am Vortag ein Gespräch von SPD-Fraktionschef Peter Struck mit Energiepolitikern. Von einer Einigung wollte Schmidt aber noch nicht sprechen. Die Fraktion befasse sich mit dem Thema erst am 28. September, einen Tag nach der geplanten Großdemonstration der Gewerkschaft ÖTV, bei der auf mögliche Gefahren für die Arbeitsplätze in den Stadtwerken bei einer völligen Freigabe des Energiemarkts aufmerksam gemacht werden soll.

Die CSU-Landesgruppe reagierte empört auf eine mögliche Aufweichung der Deregulierung des Strommarktes. Endlich würden die Strompreise dank dem Wettbewerb auch für Privatkunden und mittelständische Betriebe spürbar sinken, da wolle die rot-grüne Regierung dem einen Riegel vorschieben. Schmidt bestätigte, es gebe eine "ganze Reihe von Abgeordneten, die kommunale Interessen vertreten". "Hinter den Kulissen" bemühe man sich kräftig um eine Lösung. Schmidt hofft, dass die SPD-Fraktion auf der erwarteten Großdemonstration mit geschätzten 40 000 Teilnehmern eine Lösung präsentieren kann, die den Forderungen der Arbeitnehmer zumindest teilweise entgegen kommt.

Die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) hat die Bundesregierung aufgefordert, durch eine EU-konforme Änderung des Energiewirtschaftsrechts den stromerzeugenden Stadtwerken eine faire Existenz- und Marktchance zu sichern. Dezentrale Energieversorgungsstrukturen dürften nicht durch Einstiegsdumpingstrompreise vom Markt verdrängt werden. Die kommunalen Energieversorgungsunternehmen bräuchten einen ausgewogenen wettbewerbsrechtlichen Regulierungsrahmen, um eine weitere arbeitsplatzvernichtende Fusionswelle auf den Strommärkten zu verhindern.

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