Wirtschaft : RWE will die Top-Position durch Fusion mit Wettbewerber VEW sichern

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Das Fusionskarussell in der deutschen Energiebranche dreht sich weiter. Nach Informationen des "manager magazins" haben sich die Energiekonzerne RWE und VEW auf eine Fusion zum größten Stromerzeuger Deutschlands geeinigt. Die Vorstände beider Unternehmen hätten sich in einem sogenannten Letter of Intent auf eine Verschmelzung zum 1. Januar 2000 verständigt, meldete das Blatt am Dienstag vorab. Einzelheiten wie die Konzernstruktur und das Umtauschverhältnis der Aktien sollen demnach bis Jahresende erarbeitet werden; die Hauptversammlungen von RWE und VEW sollen dann bis Juni über den Verschmelzungsvertrag abstimmen.

Nach Angaben der Zeitschrift kommen RWE und VEW gemeinsam auf eine Jahresleistung von mehr als 150 Milliarden Kilowattstunden. Sie lägen damit noch vor Veba und Viag, die ihre Fusion zur neuen Nummer eins vor wenigen Wochen offiziell angekündigt hatten. Veba/Viag mit den Stromtöchtern PreussenElektra und Bayernwerk kommen demnach gemeinsam auf 137 Milliarden Kilowattstunden.

VEW-Sprecher Jochen Draht sagte dem Tagesspiegel, dass er die "Spekulationen grundsätzlich nicht kommentierten" will. VEW sei derzeit dabei, "seine Zukunft in die eigene Hand zu nehmen". Dazu würden verschiedene "Modelle der Kooperation" geprüft. "Niemand ist davon ausgeschlossen, auch RWE nicht", sagte Draht. Erst vor wenigen Wochen hatte VEW angekündigt, Stadtwerke in Deutschland zu einer "Deutschen EnergieUnion" unter VEW-Führung vereinigen zu wollen. Unter anderem wollen die Dortmunder in diesem Zusammenhang Beteiligungen an der EnBW in Baden-Württemberg und der HEW in Hamburg erwerben. Das Ziel der gesellschaftsrechtlichen Unabhängigkeit werde, so Draht, auch jetzt noch "intensiv verfolgt". VEW wolle, "in welcher Form auch immer", einen Spitzenplatz unter dem deutschen Energieversorgern behalten, so Draht.

Auch ein RWE-Sprecher hatte vor zwei Wochen grundsätzliches Interesse seines Hauses an der VEW bestätigt, an der der Essener Konzern bereits beteiligt ist. Derzeit seien aber keine Anteile am Markt verfügbar; zudem habe der Erwerb des ausgeschriebenen 25-prozentigen Landesanteils am Stromkonzern Energie Baden-Württemberg (EnBW) derzeit oberste Priorität für die RWE, hatte der Sprecher gesagt.

Die Dortmunder VEW Energie AG versorgt rund 5,5 Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen mit Strom, Gas oder Fernwärme. Das 1925 als Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen gegründete Unternehmen mit 4300 Mitarbeitern erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 5,472 Milliarden Mark und gehört damit zu den großen überregionalen Stromversorgern in Deutschland.

An VEW sind Unternehmensangaben zufolge kommunale Aktionäre - der größte darunter ist die Stadt Dortmund - mit insgesamt 56,58 Prozent beteiligt; ein Zehn-Prozent-Paket hält seit der jüngsten Kapitalerhöhung die Westdeutsche Landesbank (WestLB). 24,69 Prozent liegen bei der EVG, in der Contigas, RWE Energie, Deutsche Bank und Allianz ihre Aktien gebündelt haben. Die BI Industriebesitz und Beteiligungen der Viag-Töchter Bayernwerk und der Isar-Amperwerke hat 12,1 Prozent, die RWE Energie-Bayernwerk Beteiligungsverwaltung 1,95 Prozent. 4,68 Prozent an dem Unternehmen sind in Streubesitz.

Der Essener RWE-Konzern ist mit einem Stromabsatz von jährlich rund 135 Milliarden Kilowattstunden der größte deutsche Stromversorger. Diese Führungsposition ist durch die angekündigte Fusion der Energiekonzerne Veba und Viag in Gefahr geraten. RWE-Konzernchef Dietmar Kuhnt hatte erst vor zwei Wochen bei der Bilanzvorlage in Essen angekündigt, die Spitzenposition nicht kampflos abtreten zu wollen. "Wir werden auch unsererseits sehen, wie wir die führende Position weiter behalten und haben sehr intensiv die Karten gelegt", so der Essener Konzernchef, der gleichzeitig Interesse an einer Beteiligung bei dem Dortmunder Nachbarn VEW angemeldet hatte.

Der RWE-Konzern erwirtschaftete im Geschäftsjahr 1998/99 (30. Juni) einen Umsatz von 38,4 Milliarden Euro (75,1 Milliarden Mark). Davon entfielen auf den Bereich Energie rund 11,3 Milliarden Euro (22,1 Milliarden Mark).

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