Wirtschaft : RWE will sich nicht von Hochtief trennen Kuhnt: "Halten an unserem Engagement fest"

ESSEN (Tsp). Im Rahmen des geplanten Konzernumbaus denkt die RWE AG nicht über ein Ende ihres Engagements bei dem Essener Baukonzern Hochtief nach. "Es gibt keine Überlegungen, daß wir uns von Hochtief trennen", sagte Dietmar Kuhnt, Vorstandsvorsitzender des RWE-Konzerns und zugleich Aufsichtsratschef bei Hochtief am Montag bei der Hauptversammlung von Hochtief in Essen. Der RWE-Konzern ist mit einem Anteil von 56 Prozent Mehrheitsaktionär des größten deutschen Baukonzerns. Kuhnt wies damit Spekulationen von Aktionären zurück, daß sich der RWE-Konzern im Rahmen der geplanten Konzentration auf sein Energiegeschäft möglicherweise von dem Bauengagement trennen wolle.

Schwerpunkt der künftigen Strategie des RWE-Konzerns werde der Aufbau einer führenden Rolle im europäischen Energiegeschäft sein, sagte Kuhnt in Essen. "In diesem Konzept hat Hochtief eine wichtige Aufgabe", ergänzte der RWE-Konzernchef. Vor allem der Hochtief-Bereich Airport-Management passe "sehr gut" zu dem Geschäft der Konzernmutter RWE AG, sagte Kuhnt.

Der Essener Baukonzern hat sich zum Ziel gesetzt, zu einem der weltweit bedeutendsten Unternehmen im Geschäftsfeld Flughafen-Management zu werden. Mittelfristig wolle der Konzern rund ein Drittel seines Ergebnisses im Bereich Airport-Management erzielen, sagte Hochtief-Chef Hans-Peter Keitel. Das Essener Unternehmen hat - teilweise zusammen mit weiteren Partnern - den Zuschlag für Bau und Betrieb des neuen Großflughafen Berlin-Brandenburg, für die Erneuerung des Flughafen Düsseldorf sowie den Neubau und Betrieb des Flughafens Athen erhalten.

Trotz der anhaltend schwachen Baukonjunktur in Deutschland sei Hochtief gut ins laufende Geschäftsjahr 1999 gestartet, berichtete Keitel. "Die ersten Zahlen stimmen uns optimistisch", sagte er. In den ersten fünf Monaten von Januar bis Mai seien die Auftragseingänge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23 Prozent auf 5,5 Mrd. DM gestiegen. Im Inlandsgeschäft habe das Unternehmen dabei einen besonders kräftigen Zuwachs der Aufträge um 25,2 Prozent auf 3,0 Mrd. DM erzielen können. Die Bauleistung stieg im gleichen Zeitraum um 5,2 Prozent auf 4,9 Mrd. DM.

Wichtiges Ziel im laufenden Geschäftsjahr 1999 sei eine Erweiterung der Auslandsaktivitäten, sagte Keitel. Einen Schwerpunkt bilde dabei die Region Nordamerika. Der Konzernchef zeigte sich zuversichtlich, bei der Suche nach einem möglichen Partner in den USA möglicherweise schon "in absehbarer Zeit" eine Einigung erzielen zu können. Die Qualität der Partnerschaft habe aber Vorrang vor einem schnellen Abschluß, betonte Keitel.

1998 hatte Hochtief bei einer Bauleistung von 12,3 Mrd. DM einen Jahresüberschuß von 172,2 Mill. DM erzielt, neun Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Man habe sich damit vom Branchentrend abgesetzt, sagte Keitel. Hochtief habe "ein gutes Jahr hinter sich und eine vielversprechende Zukunft vor sich." Die Dividende für 1998 soll von 1,20 auf 1,30 DM erhöht werden.

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