Wirtschaft : RWE schreibt ab

Kraftwerke drei Milliarden Euro weniger wert.

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Berlin - Die Energiewende macht den großen Energieversorgern das Leben schwer. Am Dienstag teilte RWE mit, den Wert von konventionellen Kraftwerken um 2,9 Milliarden Euro nach unten zu korrigieren. Damit reagiere man auf die „tiefgreifenden Veränderungen auf dem europäischen Erzeugungsmarkt“, erklärte Vorstandschef Peter Terium. Er meint vor allem den Vorrang für erneuerbare Energien in der Bundesrepublik, wodurch viele konventionelle Kraftwerke, die Kohle oder Gas verbrennen, nicht mehr rentabel betrieben werden können. Bei der Bundesnetzagentur haben Kraftwerksbetreiber deshalb inzwischen die Stilllegung von mehr als 40 solcher Anlagen beantragt.

RWE ist nach Eon und vor Vattenfall und EnBW einer der vier großen Stromerzeuger in Deutschland. Nach der Akw-Katastrophe in Fukushima vor knapp drei Jahren, dem sich anschließenden Beschluss zum Ausstieg aus der Atomenergie und dem forcierten Ausbau der Erneuerbaren sind die großen vier gezwungen „Wasser zu trinken“, wie es in der Branche heißt. Kraftwerke lassen sich nicht mehr rentabel betreiben und ganze Geschäftsmodelle, die über Jahre glänzende Profite garantierten, brachen zusammen. Die Konzerne reagieren mit Arbeitsplatzabbau, Kürzungen von Investitionen, dem Verkauf von Unternehmensteilen und Kraftwerken sowie Abschreibungen auf bestehende Anlagen.

Die prekäre Situation wird auch sichtbar anhand der Börsenkurse. Am Dienstag hielten sich RWE und Eon mit Abschlägen von rund 0,8 Prozent noch einigermaßen stabil. Doch in den vergangenen drei Jahren gab es kaum andere Aktien im Dax, die so viel Börsenwert verloren haben – RWE rutschte in der Zeit um rund 49 Prozent ab, bei Eon waren es knapp 45 Prozent.

Neben den 2,9 Milliarden Euro auf konventionelle Kraftwerke schreibt RWE auch 400 Millionen Euro auf das „Segment Erneuerbare Energien und den Beteiligungsbereich“ ab. Konzernchef Terium sprach von einer „konsequenten Senkung der Kosten unseres Kraftwerkparks“. An den Prognosen für 2013 hält Terium fest, da die Abschreibungen nicht auf das Betriebsergebnis durchschlagen würden. Unterm Strich wirken sich die Wertberichtigungen aber sehr wohl aus. Das Nettoergebnis hatte nach den ersten drei Geschäftsmonaten 600 Millionen Euro betragen und damit nur noch ein Drittel des entsprechenden Vorjahreswertes. Nun dürfte für das gesamte Jahr ein Nettoverlust stehen – der erste überhaupt in der Konzerngeschichte. Wie die Jahresbilanz genau ausfällt, wird Terium Anfang März erläutern. Bereits jetzt ist klar, dass die Dividende von zuletzt zwei auf einen Euro gekürzt wird. Und der Arbeitsplatzabbau setzt sich fort: Bis 2016 sollen konzernweit 6750 der zuletzt rund 67 000 Stellen gestrichen oder durch den Verkauf von Unternehmensteilen abgegeben werden. Alfons Frese

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