Ryanair : Das Geschäft mit dem Geschäft

Ryanair treibt die Idee mit den Bezahltoiletten und Stehplätzen voran und erhöht die Gepäckgebühren. Die Konkurrenz ist empört.

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Leichter reisen. Schon heute fliegen 70 Prozent der Ryanair-Passagiere nur mit einem Stück Handgepäck. -Foto: ddp

Berlin - Ryanair, die nach eigenen Angaben „beliebteste Fluggesellschaft der Welt“, will ihre Gäste noch stärker dazu erziehen, möglichst unbelastet in den Flieger zu steigen. In diesem Sinne will Europas größte Billigfluglinie die Einführung einer Toilettengebühr an Bord und die Einrichtung von Stehplätzen, bei denen die Gäste sich stehend an ein Gestell anschnallen sollen, vorantreiben. Zudem verlangt Ryanair seit heute Nacht eine höhere Gepäckgebühr: Diese steigt für Buchungen für Flüge im Juli und August um fünf auf 20 Euro je Gepäckstück. Das teilte eine Sprecherin des Unternehmens am Dienstag am Konzernsitz im irischen Dublin mit. Passagiere dürfen aber weiterhin ein Stück Handgepäck bis zehn Kilogramm ohne Zusatzkosten mitführen.

Die Idee, ein britisches Pfund oder einen Euro für den Besuch der Toilette an Bord zu verlangen, ist nicht ganz neu. Ryanair-Chef Michael O’Leary hatte schon im Februar 2009 gesagt, dass er nach einer Lösung suche, einen Geldschlitz am Klo anzubringen. Kritiker des öffentlichkeitsaffinen Managers hielten das für einen PR-Gag, Verbraucherschützer sprachen gar von menschenunwürdiger Geschäftspolitik und bezweifelten zudem, dass das Vorhaben mit europäischem Recht vereinbar ist. Dem Tagesspiegel gegenüber sagte Ryanair-Sprecherin Henrike Schmidt am Mittwoch, dass ihr Haus derzeit intensiv mit dem US-Flugzeughersteller Boeing berät, wie man den Großteil der 232 Ryanair-Boeings vom Typ 737-800 umbauen könnte. Konkret möchte Ryanair, dass Boeing zwei der drei Toiletten auf den 190-Sitzern ausbaut, um dafür eine Sitzreihe mit sechs zusätzlichen Plätzen einzubauen. „Es geht uns dabei also nicht um das Geld, das wir mit einem Toilettenbesuch einnehmen könnten, sondern darum, mehr Tickets zu verkaufen und die Leute dazu zu erziehen, auf Kurzstrecken noch am Flughafen die Toilette aufzusuchen“, sagte Schmidt.

Sie schätze, dass es noch etwa zwölf bis 18 Monate dauern könnte, bis die Regelung umgesetzt werde. Man sei zudem zuversichtlich, dass rechtliche oder sicherheitstechnische Bedenken auszuräumen sind. Das gilt auch für den kuriosen Plan mit den Stehplätzen, den O’Leary vergangenen Sommer vorstellte. Auf Flügen, die weniger als 60 Minuten dauern, möchte Ryanair diese als günstige Alternative zum Sitzplatz anbieten.

Mit solchen Visionen bleibt der Marktführer aber vorerst allein. „Eine Toilettengebühr oder ähnlich absurde Zusatzgebühren wird es bei Easy Jet nicht geben. Wir erheben auch prinzipiell keine verdeckten Preiserhöhungen wie zum Beispiel einen Kerosinzuschlag, wie viele andere Fluggesellschaften“, sagte Thomas Haagensen, Geschäftsführer von Easyjet Deutschland dieser Zeitung. Und auch bei Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin, wo man sich seit Jahren mehr und mehr von dem Billigflieger-Image löst, hat man wenig übrig für O’Learys Ryanair. Zur Toilettengebühr sagte Air-Berlin-Sprecher Hans-Christoph Noack: „So etwas hat vor einem Jahr keinen Sinn gemacht und es macht auch heute keinen Sinn. Das entspricht auch nicht unserer Produktphilosophie.“

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