Wirtschaft : Ryanair hilft Air Berlin

Die Iren überraschen die Börse mit Gewinnsprung – die Aktien der anderen Billigflieger profitieren

Juliane Schäuble

Berlin - Die Aktie des deutschen Billigfliegers Air Berlin hat von einem optimistischen Ausblick des irischen Konkurrenten Ryanair profitiert. Der erhöhte nach einem überraschend deutlichen Gewinnsprung im Ende Juni abgelaufenen ersten Quartal seine Prognose für das Gesamtjahr. Ryanair-Papiere legten am Dienstag um mehr als zehn Prozent zu, Air-Berlin-Aktien zogen zeitweise mit rund 4,5 Prozent nach. Auch Easyjet-Papiere stiegen vorübergehend um gut 14 Prozent.

Dabei war die Vorlage aus Irland nicht nur positiv. So rechnet Ryanair in diesem Geschäftsjahr, das am 31. März 2008 endet, nur mit einem Zuwachs von 18 Prozent auf 50 Millionen Passagiere. Bislang wurden 52 Millionen angepeilt. Außerdem geht Ryanair für das laufende zweite Quartal von niedrigeren Umsätzen pro Passagiersitz aus. Für die ersten sechs Monate werde ein Rückgang um fünf bis zehn Prozent erwartet, teilte Europas größter Billigflieger in Dublin mit.

Dennoch erhöhte Ryanair seine Gewinnprognose, nachdem sich das Unternehmen im Juni noch skeptisch gezeigt hatte. Der Überschuss soll nun das Vorjahresergebnis von gut 400 Millionen Euro nicht wie bislang geplant um fünf, sondern um zehn Prozent übertreffen.

Im ersten Geschäftsquartal übertraf der Konzern die Erwartungen der Analysten. Der Nettogewinn legte um 20 Prozent auf 139 Millionen Euro zu. Der Umsatz kletterte um 22 Prozent auf 693 Millionen Euro. Von den Ryanair-Zahlen versprechen sich Analysten Hinweise auf die Entwicklung der anderen Billigflieger. „Der Markt sieht Ryanair als eine Art Barometer für die Branche“, sagte Per- Ola Hellgren von der Landesbank Baden-Württemberg.

„In der Summe sind die vorgelegten Zahlen sehr gut“, urteilte Michael Benedikt von der Commerzbank. Ryanair relativiere damit die eigene, vor kurzem geäußerte Skepsis. „Möglicherweise wirkt das nun als Initialzündung für die Branche.“ Auch Air Berlin könnte die Durchschnittserlöse im Ende August auslaufenden zweiten Quartal demnach „leicht erhöhen“.

In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters betonte Ryanair-Finanzvorstand Neil Sorahan allerdings, dass der erwartete höhere Gewinn nicht durch zusätzliche Fluggeschäfte, sondern durch den Abbau von Kapazitäten auf unprofitablen Strecken in der gewöhnlich schwächeren Wintersaison erreicht werde. „Wir erwarten einen schrecklichen Winter mit Preisnachlässen bei allen Fluggesellschaften“, sagte Neil. Derzeit habe man für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres „null Sicht“. Ryanair hatte vor kurzem vor niedrigeren Renditen durch hohe Ölpreise und sinkende Ticketpreise gewarnt.

Die Warnungen könnten jedoch auch „Understatement“ des Marktführers sein, der sich in einer komfortablen Position befände, sagte Commerzbank-Analyst Benedikt. Das glaubt auch Stefan Schöppner, der die Branche für die Dresdner Bank beobachtet. Ryanair beschreibe im Ausblick immer den „worst case“, um das Überraschungspotenzial zu erhöhen. „Die legen die Latte möglichst tief, um sie dann möglichst hoch zu überspringen.“ Im Grunde sei der Markt gesund.Juliane Schäuble

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