S-Dax und Russel 2000 : Warum Aktien kleinerer Firmen von Rekord zu Rekord eilen

Nachdem der S-Dax erstmals die 10.000 Punkte übersprungen hat und auch der US-Nebenwerteindex Russel 2000 von Rekord zu Rekord eilt, stellt sich die Frage: Was treibt diese Kurse? Was Experten sagen.

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Zu den Gewinnern im Dax zählen auch Heidelberger Druckmaschinen.
Zu den Gewinnern im Dax zählen auch Heidelberger Druckmaschinen.Foto: picture alliance / dpa

Es sind kleine und mittelgroße Firmen, die Anleger nicht unbedingt auf dem Schirm haben. Grammer zum Beispiel, ein Industrieunternehmen aus der Oberpfalz, das Kopfstützen und Konsolen für Pkws herstellt. Oder Washtec, ein Berliner Unternehmen, das Waschanlagen für Autos baut. Dabei haben gerade die Aktien dieser Unternehmen in letzter Zeit stark zugelegt. Experten sprechen von Nebenwerten oder auch Small Caps. In Deutschland werden sie durch den Aktienindex S-Dax abgebildet, der am Mittwoch erstmals über die Marke von 10.000 Punkten gesprungen ist. Mit diesem neuen Rekordwert steht der S-Dax besser da als der Leitindex Dax, der sein bisheriges Allzeithoch im Frühjahr 2015 bis heute nicht wieder erreicht hat. Damals lag er bei 12.390 Punkten, heute schwankt er um 11.800. Dabei ist es längst nicht nur der S-Dax, der so stark zulegt. Auch in anderen Ländern Europas und in den USA boomt der Markt mit Aktien für Small Caps.

DER KURSANSTIEG

Commerzbank-Analyst Achim Matzke sieht in den Aktien des S-Dax eine hohe Attraktivität. „Die Unternehmen sind fokussiert“, sagt er. Das seien keine schwerfälligen „Tanker“ wie in den Indizes mit den Großkonzernen.

In der Tat: Die kleineren Unternehmen konzentrieren sich in der Regel auf ein Thema, während die Großkonzerne in den verschiedensten Bereichen tätig sind. Beides hat Vor- und Nachteile. Im Dax gibt es mehrere solcher Tanker, die große Probleme haben, wie VW oder Deutsche Bank.

Zudem gäbe es häufig Übernahmen im S-Dax, sagt Matzke. „Diese werden oft von Kurssprüngen begleitet.“ Der Leiter des Bereichs Technische Analyse & Index Research der Commerzbank spricht von einer zusätzlichen Übernahmeprämie, die im S-Dax läge und von der der Anleger profitieren könne.

Wie funktioniert das? Wenn eine Aktie von einem anderen Konzern übernommen wird, profitiert der Aktionär, weil der Aufkäufer in der Regel einen Preis bietet, der höher ist, als der Kurs vor dem Übernahmeangebot. Von dieser Entwicklung profitieren dabei nicht nur die Einzelaktionäre, die genau diese Aktien besitzen, sondern auch Fondssparer, die auf den gesamten Index gesetzt haben.

WIE INVESTIEREN

„Der S-Dax eignet sich hervorragend als Basisinvestment in einem Aktienportfolio“, sagt Matzke. Er empfiehlt Anlegern, Indizes zum Beispiel mit ETFs abzubilden, das sind Indexfonds, die wenig Kosten verursachen und die Kursentwicklung des Index eins zu eins abbilden. Aber auch derjenige, der nicht den ganzen Index abdecken will, sondern nach einzelnen Aktien Ausschau hält, kann geeignete Kandidaten finden: „Der S-Dax ist eine Fundgrube für Stockpicker“, sagt Matzke.

Ende Januar identifizierte die Commerzbank mehrere Einzelwerte, die für Anleger interessant sein könnten. Zum Beispiel umfasse der S-Dax mit Werten wie dem Versandhandelsunternehmen Takkt und Stabilus, einem Hersteller von Gasfedern, einige Papiere mit einem „langfristigen Aufwärtstrend“. Hinzu komme die Gruppe der Titel, die aufgrund der aktuell attraktiven Gesamtlage nach Einschätzung der Commerzbank kaufenswert sein könnten wie zum Beispiel der Motorenhersteller Deutz, der LKW-Zulieferer SAF Holland, das Waggonvermietunternehmen VTG und der Baumaschinenanbieter Wacker Neuson.

DIE RISIKEN

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Aktien wie von dem Fotoentwickler Cewe Stiftung, vom Sportartikelhersteller Puma oder dem Autovermieter Sixt: Sie alle sind zuletzt bereits so stark gestiegen, dass sie als sehr teuer gelten. Diese Papiere nun zu kaufen ist heikel: Man weiß nicht, wie lange der Aufwärtstrend anhält.

Das ist das klassische Dilemma beim Aktienkauf: Immer neue Höchstkurse wecken die „Animal Spirits“ – die tierischen Instinkte. Euphorie und Gier können sich zunehmend breitmachen. Malte Diesselhorst, Anlegerschützer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), weist auf dieses Dilemma des Anlegers hin. Die Aktien befänden sich seit längerer Zeit in einem stabilen Aufwärtstrend, sagt er und warnt: „Irgendwann kann es zu einer anderen Entwicklung kommen.“ Andererseits habe sich in der Vergangenheit gezeigt: „Wer keine Aktien kauft verliert.“ Nur wer in Aktien investiere, nehme an deren tendenziell positiven Wertentwicklung teil.

DIE EXPERTENMEINUNG

Zu den größten Gewinnern im S-Dax gehörte am Mittwoch Patrizia Immobilien mit einem Plus von zeitweise mehr als fünf Prozent. Sowohl das Bankhaus Lampe wie auch Berenberg und fünf weitere Analysten haben bei dieser Aktie zum Kauf geraten. Lediglich die NordLB bewertet sie mit neutral, kein Analyst rät zum Verkauf. Zweitgrößter Gewinner am Mittwoch waren Hamburger Hafen mit einem Kursgewinn von über drei Prozent. Allerdings sind hier die Analysten nicht ganz so optimistisch. Kein einziger rät zum Kauf, die meisten zum Halten, zwei raten zum Verkauf – wie Commerzbank und Kepler Cheuvreux. Heidelberger Druck gewannen am Mittwoch knapp drei Prozent. Alle Analysten im Februar stuften diese Aktie auf „Kaufen“ ein.

WIE ES IN DEN USA AUSSIEHT

Dass die Small Caps in den USA so gut laufen, liegt laut Matzke vor allem an Trumps Plänen, Unternehmenssteuern zu senken und in die Infrastruktur zu investieren. Das käme in erster Linie den kleinen Unternehmen in den USA zu Gute.

Die schweizerische Bank Credit Suisse hat kalkuliert, warum die Small-Cap-Aktien besonders von den Steuererleichterungen profitieren. Kleine Firmen in den USA haben weniger Möglichkeiten, durch Zahlungsströme ins Ausland Steuern zu sparen. Die Firmen des Russel 2000 werden demnach im Durchschnitt mit 32 Prozent besteuert, berichtet die "Financial Times". Die 500 größten US-Konzerne im Index S&P 500 werden dagegen nur mit 26 Prozent besteuert. Das heißt, dass die höher besteuerten kleinen Firmen von Steuererleichterungen stärker profitieren. Zudem kommt ein Infrastrukturprogramm ebenfalls eher kleinen Firmen zugute.

Einen Text darüber, wie man mit gestaffeltem Einstieg in den Aktienmarkt und einem sogenannten Rebalancing des Portfolios sich vor Crashs schützen kann, finden Sie hier.

Einen Text über Dividendenstrategien finden Sie hier.

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