Wirtschaft : Saab meldet Insolvenz an und hofft auf ein Wunder Verkauf an die Chinesen scheitert an GM

Stockholm - Nach zwei Jahren immer neuer, letztlich aber vergeblicher Rettungsversuche steht der schwedische Autohersteller Saab nun wohl tatsächlich vor dem Aus: Die Firma stellte am Montag Insolvenzantrag, wie das zuständige Gericht mitteilte. Der Verkauf von Saab an chinesische Investoren, der als letzte Chance galt, ist wegen des hartnäckigen Widerstands des ehemaligen Eigentümers General Motors (GM) geplatzt.

Das Gericht sollte eigentlich am Montag entscheiden, ob der im September für drei Monate verhängte Gläubigerschutz für Saab verlängert wird. Unter diesem Schutz musste Saab-Eigentümer Victor Muller die Schulden nicht zurückzahlen – im Oktober waren es nach seinen Angaben schon 150 Millionen Euro.

Muller, Chef des kleinen niederländischen Sportwagenherstellers Spyker, hatte Saab Anfang 2010 für 400 Millionen Dollar von GM gekauft und damit zunächst vor der Pleite bewahrt. Es gelang ihm aber nicht, das Steuer herumzureißen. Im Frühjahr 2011 musste Saab erstmals die Produktion stoppen, weil Zulieferer wegen offener Rechnungen nicht lieferten. Seit Juni stehen die Bänder in Trollhättan endgültig still, seit November bekommen die 3700 Beschäftigten kein Geld mehr.

Als letzte Chance galt der Verkauf an chinesische Investoren. Ende Oktober verkündete Muller, Saab solle für 100 Millionen Euro an den Autohersteller Youngman und den Autogroßhändler Pang Da gehen. Damit sei die Zukunft gesichert. Doch GM spielte nicht mit. Der Konzern warnte, er werde bei einem Verkauf seine Lizenzen für die gemeinsame Nutzung von Technologien zurückziehen und seine Zulieferungen für den Saab-Allradwagen beenden.

Trollhättans Bürgermeister Paul Åkerlund verbreitete am Montag dennoch Zuversicht. Es gebe Interessenten für den kompletten Kauf Saabs, sagte er. Auch in Stockholm heißt es, dass potenzielle Käufer aus China eine Insolvenz bewusst einkalkuliert haben, um den eigenwilligen Muller loszuwerden und Saab ohne den Schuldenberg zu bekommen. AFP/dpa

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