Wirtschaft : Saban ist am Ziel

US-Investor bekommt den Zuschlag für Pro Sieben Sat1/Fernsehsender kostet rund eine Milliarde Euro

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München (nad). Nach langem Hin und Her ist Haim Saban am Ziel: Im zweiten Anlauf kann der USMilliardär Deutschlands größten Fernsehkonzern Pro Sieben Sat1, das Herzstück des zusammengebrochenen Kirch-Imperiums, übernehmen. Der Gläubigerausschuss habe dem Vorschlag des Insolvenzverwalters, das Angebot Sabans anzunehmen, einstimmig zugestimmt, sagte ein Sprecher der insolventen Kirch-Media am Dienstag. Schon in den nächsten Tagen werde der Vertragsabschluss erwartet. Normalerweise dauert der endgültige Abschluss, das so genannte Closing, mehrere Wochen. Da Saban jedoch schon einmal den Zuschlag erhalten hatte, sind nach Angaben aus Verhandlungskreisen alle wesentlichen Details bereits besprochen.

Anfang Juni hatte Saban nach einem monatelangen Bieterwettstreit den Vertrag zur Übernahme von Pro Sieben Sat1 unterzeichnet. Das Geschäft scheiterte jedoch in letzter Sekunde vor allem aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zwischen Saban und den Gläubigerbanken über die Finanzierung der Übernahme. Am vergangenen Sonntag hatte Saban überraschend ein neues Angebot für den Konzern abgegeben.

Mit dem Kauf von Pro Sieben Sat1 steigt Saban als erster ausländischer Großinvestor in den deutschen Fernsehmarkt ein. Da Saban in Deutschland bislang nicht aktiv ist, hat das Bundeskartellamt keine Bedenken gegen die Übernahme. „Wir sind sehr erfreut, dass unser Angebot den Gläubigerausschuss überzeugt hat. Wir freuen uns darauf, die Transaktion abzuschließen“, sagte Saban am Dienstag. Details zu dem Geschäft wollten weder Saban noch Kirch-Media nennen. Verhandlungskreisen zufolge bietet Saban 7,50 Euro je Stammaktie und übernimmt in einem ersten Schritt 72 Prozent. Dabei habe sich der Milliardär mit mehreren Finanz-Investoren zusammengeschlossen. Insgesamt soll das Konsortium in mehreren Schritten über eine Milliarde Euro für die Aktienmehrheit an der Fernsehkette bieten. Darin sei auch eine Kapitalerhöhung von rund 300 Millionen Euro für die angeschlagene Sendergruppe enthalten.

Nach Angaben von Kirch-Media standen bei der Ausschusssitzung am Dienstag zwei Angebote zur Debatte. Die Münchener Beteiligungsgesellschaft Apax Partner, die vor einigen Jahren die Bundesdruckerei aufgekauft hatte, reichte in letzter Minute noch ein Konkurrenzangebot über acht Euro je Aktie ein. Das Angebot sei diskutiert worden, der Ausschuss habe sich aber anders entschieden, sagte der Kirch-Media-Sprecher.

Der Zuschlag an Saban stieß auf breite Zustimmung. Die Gläubigerbanken zeigten sich erleichtert, dass das Geschäft nun abgeschlossen ist. „Wir haben den Beschluss, die Pro Sieben-Gruppe an Saban zu veräußern, sehr positiv aufgenommen“, sagte ein Sprecher der Bayerischen Landesbank dem Tagesspiegel. Auch die übrigen Banken äußerten sich zufrieden. Für die Banken fällt mit dem Verkauf an Saban eine finanzielle Last weg: Hätte Kirch-Media den Betrieb, wie geplant, vorerst alleine weitergeführt, hätten sich die vier Gläubigerbanken an der Kapitalspritze für Pro Sieben Sat1 in Höhe von 300 Millionen Euro beteiligen müssen. Auch der Pro Sieben Sat1-Gesellschafter Springer begrüßte den Verkauf. „Ein erfahrener Medienmanager ist eine bessere Lösung für Pro Sieben Sat1, als wenn die insolvente Kirch-Media und die Gläubigerbanken das Geschäft fortgeführt hätten“, sagte eine Verlagssprecherin. Branchenkreisen zufolge haben sich Springer und Saban darauf verständigt, den TV-Konzern vorerst gemeinsam zu führen. Springer ist mit 11,5 Prozent an Pro Sieben Sat1 beteiligt und hat gegenüber der Kirch-Gruppe noch Forderungen in dreistelliger Millionenhöhe. Mit der Saban-Lösung kann Springer auch auf einen zweiten Sitz im Aufsichtsrat der Sendergruppe hoffen. Eine entsprechende Abmachung hatten beide Seiten bereits früher getroffen.

Beim ersten Übernahmeversuch hatte Saban den Zuschlag für Pro Sieben Sat1 und die umfangreiche Filmbibliothek von Kirch-Media bekommen. Diesmal hatte er nur für den TV-Konzern geboten, was den Abschluss erleichterte. Die Filmrechte sollen nun in einem eigenen Verfahren an verschiedene Interessenten verkauft werden.

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