Wirtschaft : Saban macht Kirch-Poker wieder spannend

US-Investor hat Finanzierungsprobleme und erhält Aufschub von den Banken – Teilerfolg vor Gericht

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München (nad). Die Übernahme des Film und Fernsehgeschäfts der Kirch-Media durch den US-Milliardär Haim Saban steht wieder auf der Kippe. Branchenkreisen zufolge ist sogar unklar, ob Saban nach Unstimmigkeiten mit den Gläubigerbanken überhaupt noch an einem großen Einstieg ins deutsche Mediengeschäft interessiert ist. Der Hintergrund: Saban hat offensichtlich Probleme, Finanzierungspartner für den Kauf der ProSiebenSat1-Mehrheit und der Filmbibliothek zu finden, nachdem ihn sein ursprünglich vorgesehener Partner, der französische Fernsehsender TF1, im Stich gelassen hat.

„Die Zeit wird jetzt ziemlich knapp für Saban“, hieß es am Mittwoch. Insolvenzverwalter Michael Jaffé habe sich eine Vollmacht geben lassen, von dem im März unterschriebenen Vertrag mit Saban zurück zu treten. Allerdings hätten die Gläubigerbanken Saban auch einen kleinen Fristaufschub in Aussicht gestellt. Ursprünglich sollte der Unternehmer bis zum Sonnabend 525 Millionen Euro für den Kauf des 36-Prozent-Anteils an Pro Sieben Sat 1 auf ein Treuhandkonto überweisen. Außerdem ist bis dahin die erste Rate von mehr als 100 Millionen Euro für die Rechte an Filmen und Fernsehserien aus der Kirch-Filmbibliothek fällig. Zudem weigert sich Saban dem Vernehmen nach, eine dringend notwendige Kapitalspritze von rund 150 Millionen Euro bei ProSiebenSat1 zu investieren

Nach der ursprünglichen Planung hätte der Gläubigerausschuss das Geschäft mit einem Gesamtvolumen von rund zwei Milliarden Euro am Mittwoch absegnen sollen. Stattdessen debattierte der Ausschuss bereits über Alternativen zur Saban-Lösung. Branchenkreisen zufolge wollen die Banken Saban nun ein paar Tage mehr Zeit geben, um das Milliardengeschäft abzuschließen. Auch bei Kirch-Media zeigt man sich kompromissbereit. „Wir setzen alles daran, damit das Closing mit Saban zu Stande kommt“, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Saban hatte die Kaufverträge für die TV-Gruppe und den Filmstock bereits im März unterschrieben.

Viel Spielraum bleibt Saban nicht. Spätestens bis zur Hauptversammlung von Pro Sieben Sat 1 am 16. Juni muss die Transaktion abgeschlossen sein. Anderenfalls könnte die Sendergruppe, die dann eine Kapitalerhöhung durchführen will, finanziell akut in Bedrängnis geraten. Wegen der Flaute auf dem Werbemarkt ist der Gewinn des Fernsehkonzerns im vergangenen Jahr um 80 Prozent auf 15 Millionen Euro eingebrochen.

Kirch-Media hat eine Alternative

Für den Fall, dass die Verhandlungen mit Saban im letzten Moment scheitern, hat Kirch-Media bereits Vorsorge getroffen und gemeinsam mit den Banken eine Alternativlösung ausgearbeitet. Sie sieht Branchenkreisen zufolge vor, dass Kirch-Media und die Banken Pro Sieben Sat 1 zunächst in Eigenregie weiterführen und die Kapitalerhöhung selber durchführen. Das Geld dazu könnten die Banken aus dem Erlös des Verkaufs der Kirch-Sportsparte nehmen. Später, wenn sich der Werbemarkt und die Konjunktur erholt haben, könnten sie die Sendergruppe dann zu einem höheren Preis verkaufen. Eine andere Variante wäre die Übernahme durch den Bauer-Verlag, der im Bieterwettkampf gegen Saban den Kürzeren gezogen hatte. „Wenn die Insolvenzverwaltung von Kirch-Media die Gespräche mit uns wieder aufnehmen will, stehen wir bereit“, sagte Bauer-Sprecher Andreas Fritzenkötter.

Einen Teilerfolg bei der Kirch-Media-Übernahme errang Saban unterdessen vor dem Frankfurter Oberlandesgericht. Die Richter entschieden am Mittwoch, dass die freien Aktionäre von Pro Sieben Sat 1 nicht am Verfahren der Finanzaufsicht BaFin beteiligt werden müssen, bei dem geprüft wird, ob Saban den Aktionären das gesetzliche Pflichtangebot machen muss. Damit wies das Gericht einen Einspruch des US-Investors K-Capital Partners zurück, der acht Prozent der Pro Sieben Sat 1-Vorzugsaktien hält. Saban hatte gefordert, im Fall einer Übernahme auf ein Pflichtangebot, das ihn mehrere hundert Millionen Euro kosten würde, verzichten zu dürfen, da die Sendergruppe ein Sanierungsfall sei. Nun kann das BaFin allein entscheiden, ob Saban ein Pflichtangebot machen muss.

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