Wirtschaft : Saban verliert seine Lässigkeit

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Von Henrik Mortsiefer

Wir hatten uns schon gewundert: Der Verkauf der letzten Reste des KirchImperiums an den US-Investor Haim Saban schien reibungslos über die Bühne zu gehen. Saban hatte in der lässigen Art amerikanischer Medien-Tycoons per Unterschrift versichert, er werde zwei Milliarden Euro für einen Anteil an der Senderkette ProSiebenSat1 und für die Filmbibliothek des Pleite-Unternehmers Leo Kirch bezahlen. Es klang wie ein Wunder. Mitten in der größten Krise der Medienindustrie steigt ein Nobody im großen Stil ins deutsche Fernsehen ein. Doch so lässig, wie Saban Anlauf nahm, wird er wohl nicht ans Ziel gelangen. Der Milliardär hat sich verkalkuliert.

Seit die Verträge unterschrieben wurden, manövrierte sich Saban in den Verhandlungen zum rechtsgültigen Abschluss ins Abseits: Er überwarf sich mit den Gläubigerbanken, verprellte seinen Wunschpartner TF1, verhandelte vergeblich mit Finanzinvestoren und zwang am Ende den Insolvenzverwalter – wenn nötig – das ganze Geschäft für ungültig zu erklären. Bis heute ging es immer nur um das Geld, das Saban nicht bereit war zu zahlen. Preise drücken, Kosten abwälzen, Konditionen ändern – Saban machte sich nach Kräften unbeliebt. Wie er sich aber die Zukunft der angeschlagenen Sender-Familie vorstellt, davon war nicht die Rede.

Trotzdem wird man am Ende wohl mit Saban handelseinig sein. Denn niemand will den Kirch-Verkauf neu aufrollen – die Banken nicht, die Medienaufsicht nicht und die Insolvenzverwalter wohl auch nicht. Saban hat jetzt ein paar Tage Zeit, um seine Finanzen zu ordnen. Danach sollte er endlich sagen, was er mit ProSieben Sat1 vorhat.

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