Wirtschaft : Sachsenring Zwickau wächst langsamer

ZWICKAU . Wenn der Sachsenring-Vorstand am heutigen Mittwoch in Zwickau den Aktionären die Bilanz präsentiert, werden Licht und Schatten dicht beieinander liegen. Zwar beschleunigt der aus dem ehemaligen "Trabant"-Hersteller hervorgegangene Autozulieferer beachtlich. Doch die Anleger im Neuen Markt der Frankfurter Börse wollen nicht so richtig mitfahren.

Nach 429 Mill. DM Umsatz im vergangenen Jahr will die 1850 Mitarbeiter zählende Sachsenring Automobiltechnik AG in diesem Jahr rund 500 Mill. DM erreichen. Bei diesem Ziel bleiben weitere ins Auge gefaßte Unternehmenszukäufe unberücksichtigt. Der Gewinn vor Steuern, der 1997 noch bei 10,6 Mill. DM und 1998 bei 15,7 Mill. DM lag, soll auf mehr als 20 Mill. DM ansteigen. Die Aktionäre sollen am Mittwoch zugleich über die Zahlung einer Dividende von 0,35 DM je Aktie - rund 40 Prozent mehr als im vergangenen Jahr - entscheiden.

Der Kurs der Aktie, die seit dem 2. Oktober 1997 notiert ist, scheint das Wachstum nur wenig mitzumachen. Das Papier, das am ersten Börsentag zum Emmissionspreis von 25 DM startete und mit 29,50 DM schloß, wird derzeit auf dem Parkett gerade mal mit 28 DM bis 30 DM gehandelt. Dabei lag das Hoch im April 1998 schon mal bei fast 70 DM. Als Ursache sehen Analysten vor allem die Gewinnentwicklung im vergangenen Jahr, von der sich viele Anleger zunächst eine höhere Dynamik erhofft hatten.

Das Frankfurter Bankenhaus Sal. Oppenheim gab im November vergangenen Jahres sogar eine Verkaufsempfehlung für Sachsenring aus. Die Aktien seien im Vergleich zu den Anteilen anderer Unternehmen der Automobilbranche deutlich überbewertet. Die Sachsenring-Kunden verfügten über "eine ausgeprägte Marktmacht" und übten deshalb einen erheblichen Preisdruck auf die Zulieferer aus, hieß es. Gemeint war damit Volkswagen, von der Sachsenring einen Großteil seiner Aufträge bezieht. Der Vorstand hatte diese Analyse zurückgewiesen: Das Unternehmen löse sich zunehmend aus der einseitigen Abhängigkeit von VW und wolle weiter wachsen. Die Anleger wurden jedoch durch die abgesagte Übernahme der Mitras-Gruppe verstimmt.

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