Wirtschaft : Sackgasse statt Sprungbrett

Berlin - Ein Bündnis aus Gewerkschaften, Sozial- und Frauenverbänden sowie Wissenschaftlern hat von der Politik die Reform der Minijobs gefordert. „Es ist eindeutig nachgewiesen, dass der Minijob kein Sprungbrett in reguläre Beschäftigung, sondern eine Niedriglohnfalle ist“, sagte Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). So würden im Handel, wo Minijobs weit verbreitet sind, durchschnittlich 8,18 Euro gezahlt, obwohl die Einstiegs-Tarifgruppe bei zwölf Euro liege. Gehe man von einer Lohndifferenz von vier Euro für alle 7,4 Millionen Minijobber aus, entziehe diese Beschäftigungsform „den Sozialkassen jährlich neun Milliarden Euro an Beiträgen“, sagte die Vorsitzende des Deutschen Frauenrats, Hannelore Buls. Dem Arbeitssoziologen Gerhard Bosch von der Universität Duisburg-Essen zufolge erhalten 71,2 Prozent der Minijobber einen Niedriglohn. Auch bezahlter Urlaub sowie Krankheitstage würden den Arbeitnehmern „in nicht tolerierbarem Maß“ vorenthalten. Die Chancen, von einem Minijob in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu wechseln, seien besonders für verheiratete Frauen gering. Diese bleiben im Schnitt rund acht Jahre lang im Minijob.

In dem gemeinsamen Aufruf fordern Verbände wie die AWO oder der Deutsche Frauenrat daher, dass Minijobs schon ab dem ersten Euro sozialversicherungspflichtig werden. In einer Gleitzone bis 850 Euro soll der Arbeitnehmeranteil schrittweise steigen, bis zur Parität zwischen Arbeitgebern und -nehmern. Zudem seien stärkere Kontrollen nötig, um sicherzustellen, dass die Rechte der Arbeitnehmer mit sogenannten 450-Euro-Jobs gewahrt würden. jmi

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