Wirtschaft : Saddams Horrorkabinett

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Irakische Familien, die nach Spuren ihrer Angehörigen suchen, und Journalisten aus dem Westen: Das sind bis jetzt die einzigen Besucher der irakischen Gefängnisse und Friedhöfe für politisch Unliebsame. Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn das USMilitär Besichtigungen dieser Einrichtungen für Tariq Aziz und andere Regimemitglieder arrangierte, solange sich die Medien noch dafür interessieren.

Danach könnte sich Aziz mit Irakern zum Gespräch treffen. Er könnte erklären, warum Folter, Terror und der augenfällige Luxus Saddams und seiner Bande für den Irak notwendig und gut waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg veranstalteten die Generäle Eisenhower und Patton Besichtigungen der Konzentrationslager für Deutsche. Es erwies sich als wirksame Erfahrung, aus der die Deutschen die richtige Lehre zogen.

Natürlich würde es einige Nachbarn des Irak beunruhigen, wenn man die Wahrheit über den Irak aufdeckte. Während des Krieges warfen sie den USA absichtliche Attacken auf die Zivilbevölkerung und die Unterstützung des Raubs von irakischem Nationaleigentum vor.

Auch nach dem Krieg spielen die Nachbarstaaten eine wichtige Rolle. Denn ein Großteil der irakischen Opposition formiert sich in diesen Staaten. Sie stacheln massiv den religiösen Chauvinismus an und wollen den Menschen ihre eigene Unsicherheit als arabischen Widerstand gegen den westlichen Imperialismus verkaufen. Das ist gefährlich.

Das Gegenmittel ist Information. Die arabische Öffentlichkeit braucht etwas anderes als festgefahrene rassistische Stereotypen und wirre Verschwörungstheorien, die dort bis jetzt die einzig anerkannten Formen der politischen Diskussion waren.

Für die Länder, in denen die Medien in irgendeiner Weise dem Realitätsprinzip anhängen, hat die westliche Presse mit der Enthüllung des Terrorstaates Saddams hervorragende Arbeit geleistet. Sogar in Frankreich empfindet man die abstrakte Sicht von Saddams Regime jetzt, wo das wahre Ausmaß seines Horrorregimes offensichtlich wird, als etwas unzureichend. Zweifellos wäre die arabische Öffentlichkeit empfänglich, dieselben Schlüsse zu ziehen, wenn ihr die Beweislast konsequent vor Augen geführt würde. Dafür ist jetzt höchste Zeit.

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