Wirtschaft : SAir-Group: Dividende gestrichen

Angesichts von Milliardenverlusten in der SAir-Group hat der neue Firmenchef Mario Corti dem Schweizer Luftfahrtkonzern einen radikalen Kurswechsel verordnet. Zwei Wochen nach seinem Amtsantritt gab die SAir-Group am Montag für 2000 einen Rekordverlust von 2,885 Milliarden Schweizer Franken (1,89 Milliarden Euro/3,69 Milliarden Mark) bekannt und strich den Aktionären die Dividende. Die Piloten des Kernunternehmens Swissair verzichten ab Juni auf fünf Prozent ihres Gehalts.

Als Zeichen für die Änderung der Strategie will Corti den Traditionsnamen Swissair künftig auch für den Gesamtkonzern verwenden, der sich durch starke Expansion übernommen hatte. Die finanziellen Belastungen durch Konzernbeteiligungen in Belgien, Italien und Frankreich müssten aufhören, sagte Corti und verwies kritisch auch auf die deutsche LTU.

Mit dem Gehaltsverzicht wollten die Piloten einen Beitrag zur Sanierung des Gesamtunternehmens leisten, sagte Corti. Im Gegenzug verpflichtete sich der Konzern, die übrigen Beschäftigungsbedingungen der Piloten bis 2005 nicht zu verändern. Corti hatte nach der Übernahme der Konzernleitung bereits erklärt, eine wirtschaftliche Gesundung werde fünf Jahre dauern. Nach Gerüchten über Milliarden-Verluste war der Kurs der SAir-Group-Aktie am Freitag in Zürich um mehr als acht Prozent auf 177,5 Schweizer Franken (116,23 Euro/227,32 Mark) gefallen, in Frankfurt sogar auf 115 Euro. Am Montag wurde die Aktie zunächst vom Börsenhandel ausgesetzt.

Die SAir-Group schloss den Verkauf von Verlust bringenden Beteiligungen im Ausland nicht aus. "Wir überweisen jeden Monat 80 Millionen Schweizer Franken nach Frankreich, das kann so nicht weitergehen", sagte Corti. Die Zahlungen an die Fluggesellschaft Air Littoral seien mit sofortiger Wirkung eingestellt worden. Für die ebenfalls französischen Firmen Air Liberté und AOM sowie die belgische Sabena sollen noch in diesem Monat Sanierungspläne vorgelegt werden. In Italien will die SAir-Group sich aus dem Unternehmen Volare zurückziehen.

Die LTU-Gruppe, an der die SAirGroup 49,9 Prozent hält, belastete den Konzern durch ein Minus von 224 Millionen Euro (438 Millionen Mark). Die Sabena, an der die SAirGroup mit 49,5 Prozent beteiligt ist, verzeichnete 2000 einen Verlust von 325 Millionen Euro (635,6 Millionen Mark). An AOM, Air Liberté und Air Littoral hält die Sair-Group knapp 50 Prozent. Der Umsatz des Gesamtkonzerns stieg im vergangenen Jahr um knapp ein Viertel auf 16,3 Milliarden Schweizer Franken (10,7 Milliarden Euro/20,9 Milliarden Mark).

Bis Jahresende werde es aus technischen und juristischen Gründen noch beim bekannten Namen des Konzerns - SAir-Group - bleiben, erklärte Corti. Über eine Umbenennung werde aber nachgedacht. "Der neue Name des Konzern könnte Swissair Gruppe heißen", fügte Corti hinzu. Sein Vorgänger Philippe Bruggisser hatte den Namen SAir-Group 1997 eingeführt. Er wurde Anfang des Jahres entlassen; die noch von ihm eingesetzte Informationsdirektorin Beatrice Tschanz kündigte ihr Ausscheiden an. Damit ist von Bruggissers Führungsteam nur noch Finanzdirektor Georges Schloderet im Amt. Corti war früher Finanzchef im Nestlé-Konzern und wurde Mitte März mit der Sanierung der SAir-Group betraut.

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