Wirtschaft : Salamander geht – Lurchi bleibt

Deutschlands bekanntester Schuhkonzern verschwindet nach 100 Jahren

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Salamander steht vor der Auflösung. Der traditionsreiche Schuhkonzern, mit dem Markenzeichen „Lurchi“ wird bald nur noch aus Immobilien und einer Beteiligung an GegenbauerBosse bestehen. So ist es eine Frage der Zeit, bis die Salamander AG aus Kornwestheim ganz von der Bildfläche verschwindet. Die wenigen Privataktionäre sind ohnehin schon abgefunden. Seit Mitte der Neunzigerjahre hat die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) bei Salamander das Sagen. Und deren neuer Vorstandschef Utz Claassen macht Tempo. Der Abschied von allem, was nicht mit Strom und Erdgas zu tun hat, soll so schnell wie möglich vollzogen werden. Keine einfache Aufgabe. Fast die Hälfte der knapp 40 000 Mitarbeiter des EnBW-Konzerns arbeiten unter dem Salamander-Dach.

Schon Claassens Vorgänger versuchte, in Kornwestheim aufzuräumen. Denn für das komplette Sammelsurium aus Schuhen, Kunststofffenstern, Gebäudereinigung und Parkhäusern fand sich kein Interessent. Nach langen Verhandlungen hat gerade erst der Schuhhändler Garant die 230 Salamander-Fachgeschäfte in ganz Europa übernommen. Die letzte Salamander-Schuhfabrik in Ungarn kaufte eine österreichische Firma. Die Marke Sioux ging an den Lederwarenspezialisten Goldpfeil. Und in den nächsten Wochen soll nach Aussagen des Salamander-Chefs Amir Ghoreishi der Parkhausbetreiber Apcoa von einem Finanzinvestor übernommen werden. Der Schuhcremeproduzent Melvo werde im Januar folgen. „Salamander ist dann schuhrein“, sagt Ghoreishi. Bei den Immobilien will er sich etwas mehr Zeit lassen. Denn vor allem die 30 Einzelhandelsstandorte in besten Innenstadtlagen will er auf keinen Fall verschleudern. Die könnten bis zu 300 Millionen Euro in die Kasse bringen.

Salamander ist ein Musterbeispiel dafür, wie eine wertvolle Marke durch hochfliegende Pläne abgewirtschaftet werden kann. Erst verkalkulierte sich das Management mit der Fabrikation von Schuhen in Osteuropa, dann war – mit dem neuen Großaktionär EnBW im Rücken – der radikale Umbau zu einem Dienstleistungskonzern angesagt. Jetzt wird Salamander zerschlagen, 100 Jahre nach der Gründung. „Lurchi“ – das zum Trost – bleibt der Nachwelt erhalten. Garant hat die Lizenz mitgekauft. fo

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