Wirtschaft : Salzgitter AG mit Erfolg an der Börse gestartet

HANNOVER (dpa/rtr).Mit der Börseneinführung der Salzgitter AG befindet sich das zweitgrößte deutsche Stahlunternehmen bereits wenige Monate nach der Verstaatlichung wieder mehrheitlich in privaten Händen.Die Aktien wurden am Dienstag erstmals an den Börsen in Hannover und Frankfurt (Main) notiert.Das Land Niedersachsen und die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB), die die frühere Preussag Stahl AG im Februar für 1,06 Mrd.DM vom Preussag-Konzern gekauft hatten, zeigten sich bei der Börseneinführung mit dem Erlös sehr zufrieden.Zusammen streichen beide nach inoffiziellen Schätzungen einen Reingewinn von mehr als 100 Mill.DM ein, davon das Land etwa ein Viertel.Aufgrund der großen Nachfrage mußten die Aktien zugeteilt werden.Einer Mitteilung der führenden Konsortialbanken zufolge - NordLB und Morgan Stanley - wurden "mehr als die Hälfte der Aktien in Deutschland sowie international insbesondere bei institutionellen Investoren plaziert".

Mit mehr als 34 Mill.Stückaktien wurden 60 Prozent der Salzgitter-Anteile breit gestreut privatisiert.Nach Angaben der Banken ist der Börsengang der Salzgitter AG mit einem Volumen von rund 790 Mill.DM die größte Aktienplazierung in Deutschland in diesem Jahr.Der Kurs lag bei Börsenschluß im Frankfurter Parketthandel mit 24 DM um eine DM über dem einen Tag zuvor festgelegten Ausgabepreis von 23 DM.Niedersachsens Ministerpräsident Gerhard Schröder sagte, die vielfach kritisierte Übernahme der früheren Preussag Stahl AG habe sich als richtig erwiesen.Der Unternehmenssitz bleibe in Niedersachsen, das Unternehmen werde schnell wieder privatisiert und das Land mache "keine Verluste, sondern einen ordentlichen Schnitt".Finanzminister Heinrich Aller kündigte an, mit dem Erlös würden keine Haushaltslöcher gestopft.Das Land werde in Ruhe prüfen, wie das Geld "zielgerichtet eingesetzt werden kann".

Land und Nord/LB hatten mit ihrem Engagement einen Verkauf der Stahl AG an die österreichische Voest Alpine Stahl AG, Linz, verhindert.Nach dem Börsengang sollen weitere zehn Prozent über einen Pensionsfonds an die gut 12 000 Beschäftigten der Salzgitter AG gehen.Das Land behält 25,5 Prozent, die Nord/LB 4,3 Prozent.

Salzgitter-Chef Hans-Joachim Selenz kündigte am Dienstag an, das Unternehmen werde im zweiten Halbjahr 1998 mindestens ebensoviel Gewinn machen wie im ersten Halbjahr.In den ersten sechs Monaten hatte die Salzgitter AG vor Steuern ein Ergebnis von 142 Mill.DM erreicht.Der Umsatz werde nach 3,1 Mrd.DM im ersten Halbjahr am Ende des Geschäftsjahres wohl deutlich über sechs Mrd.DM liegen, sagte Selenz.

Etwa jeder vierte der 12 000 Mitarbeiter der Salzgitter AG habe bei dem Börsengang bis zu 100 Aktien gekauft.Die Beschäftigten hätten die Aktien zwar nicht billiger bekommen, seien aber bei der Zuteilung bevorzugt worden.

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