Wirtschaft : Salzgitter AG: Stahlkonzern steht vor dem nächsten großen Kauf

stw/va/ews

Die Salzgitter AG plant weitere Akquisitionen. Der Stahlkonzern wolle sowohl bei der Eko Stahl GmbH in Eisenhüttenstadt als auch bei der Dillinger Hütte AG einsteigen, bestätigten am Dienstag Insider der Stahlbranche. So solle neben Thyssen-Krupp ein zweiter Stahlriese in Deutschland entstehen, hieß es in Zeitungsberichten. Der Sprecher der Eisenhüttenstädter Eko Stahl GmbH, Jürgen Schmidt, bezeichnete die Berichte als Gerücht. "Wir können nichts bestätigen. Wir wissen von nichts." Das Potsdamer Wirtschaftsministerium wollte zunächst nicht zu dem Thema Stellung nehmen. Auch Salzgitter kommentierte die Meldungen nicht. An beiden Unternehmen hatte der Konzern allerdings früher schon Interesse signalisiert, war aber nicht zum Ziel gekommen.

Usinor bestreitet Verkaufspläne

Der Schlüssel für einen Erfolg liegt in Brüssel. Der französische Stahlkonzern Usinor ist Eigentümer der Eko Stahl und mit 49 Prozent an der DHS, der Dachgesellschaft von Dillinger Hütte und Saarstahl AG beteiligt. An der Saar wollen die Franzosen aussteigen. In Eisenhüttenstadt müssen sie es unter Umständen, wenn die Europäische Kommission die Fusion von Usinor mit anderen Stahlkonzernen zum Weltmarktführer "Newco" genehmigen soll. Newco soll aus der französischen Usinor, der luxemburgischen Arbed und der spanischen Aceralia geschmiedet werden. Die Europäische Kommission fürchtet vor allem auf dem Zuliefermarkt für Auto-Bleche eine marktbeherrschende Stellung bei der Fusion der Franzosen mit Arbed und Aceralia.

Usinor selbst bestritt gestern Pläne für einen Verkauf der Eko Stahl, die aus einem DDR-Kombinat hervorgegangen ist. Die Belegschaft in Eisenhüttenstadt fürchtet sogar eine Schließung, denn bisher hat sich das Konzern-Management nicht auf Pläne für den Standort Eisenhüttenstadt festgelegt. Nach Angaben von Hasso Düvel, Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg, hat Usinor mit den Gewerkschaften eine Vereinbarung unterschrieben: Deren Sinn sei es, den Standort Eisenhüttenstadt weiterzuentwickeln. Dabei sind nicht nur rund 3100 Arbeitsplätze im Spiel, sondern auch Subventionen im Wert von weit über einer Milliarde Mark, die seit der Privatisierung der Eko Stahl im Jahr 1995 nach Eisenhüttenstadt geflossen sind.

Auch bei der Dillinger Hütte redet die Politik mit. Das saarländische Wirtschaftsministerium erklärte am Dienstag lediglich, die Pläne für DHS sähen einen Rückzug des Landes vor, der für andere Gesellschafter Platz schaffen würde. Unklar ist, ob Salzgitter auch Interesse an der dazu gehörenden Saarstahl AG hat, deren Konkurs in den kommenden Monaten beendet werden soll.

Strategisch sinnvolle Ergänzung

Hermann Reith, Stahlanalyst der BHF Bank, rechnet fest mit Auflagen der EU für Usinor: "Die Newco wird mitmachen müssen", sie werde in einigen Märkten mehr als 40 Prozent Anteil erreichen. Unter diesem Zwang könne Salzgitter günstig zum Zuge kommen. Strategisch wären beide Ergänzungen aus seiner Sicht sinnvoll, auch bei der Finanzierung sieht er keine Probleme. Mit DHS betreibt Salzgitter bereits ein gemeinsames Röhrenunternehmen, Eko liefert den Niedersachsen seit Jahrzehnten Rohstahl. Analyst Klaus Soer von der Deutschen Bank sieht die Verbindung ebenfalls positiv, rechnet aber nicht mit einer schnellen Einigung. Bevor Brüssel Mitte November seine Entscheidung bekanntgibt, werde Usinor wohl nicht ernsthaft verhandeln.

Die Salzgitter-Aktie stieg am Dienstag um ein Prozent auf 8,15 Euro. Salzgitter hat zuletzt die Mannesmannröhren-Werke übernommen und wird 2001 rund fünf Milliarden Euro umsetzen. Dillinger Hütte und Eko Stahl setzen je rund eine Milliarde Euro um. Alle drei Unternehmen arbeiten profitabel.

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