Wirtschaft : Salzgitter-Aufsichtsrat in schweren Turbulenzen

SALZGITTER (rtr).Der Sreit um den Verkauf der Salzgitter AG an ausländische Konkurrenten hat offenbar weitere personelle Konsequenzen: Nach dem Rücktritt des Vorstandschefs Hans-Joachim Selenz und dem Ausscheiden des niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Glogowski aus dem Aufsichtsrat verzichtet auch der Aufsichtsratschef Peter Adams auf eine neue Kandidatur.Das berichtet der "Focus" in seiner neuen Ausgabe.Zur Begründung schreibt das Magazin, Niedersachsen und die NordLB wollten auf der Hauptversammlung am Dienstag gegen Adams stimmen.Adams hatte die Arbeitnehmervertreter in ihren Forderungen unterstützt.Daraufhin hatten ihm die Großaktionäre den Rücktritt nahe gelegt.Die Landesregierung hatte Anfang der Woche erklärt, sie rechne mit einem Rückzug des Aufsichtsratsvorsitzenden bis zur Hauptversammlung.Das Land und die NordLB halten zusammen 67,5 Prozent der Aktien.

Der 69jährige Adams lehnte mit Hinweis auf das Vertraulichkeitsgebot des Aufsichtsrats eine Stellungnahme ab.Auf die Frage, ob er die Hauptversammlung leiten werde, sagte er: "Das ist doch Aufgabe meines Amtes." Er fügte hinzu, auf der Hauptversammlung werde die Wahrheit herauskommen.

Der Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel, der seit fast 15 Jahren für die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat des Stahlkonzerns sitzt, warnte am Sonntag vor "Schlammschlachten" in den Unternehmensgremien.Es solle jetzt kein "Gegengeschäft" geben, wonach der Rücktritt von Selenz erst akzeptabel sei, wenn auch sein Widersacher Adams auf sein Amt verzichte.Die Arbeitnehmer hätten gegen Adams keine Vorbehalte.Dies sei bei den Anteilseignern anders.Das Ziel müsse aber sein, daß bei Salzgitter schnell wieder Ruhe einkehre.

Der Aufsichtsrat wird an diesem Montag zusammentreten.Es gilt als sicher, daß das Rücktrittsgesuch von Selenz einvernehmlich angenommen wird.Der 47jährige Stahlmanager soll bis zu drei Mill.DM Abfindung bekommen.Vorstandschef Selenz war mit seinem Rücktrittsgesuch einer fast sicheren Abwahl auf Betreiben der Arbeitnehmerseite zuvorgekommen.

Hickel kritisierte, daß Selenz in der Öffentlichkeit überwiegend als Opfer von Gewerkschaft und Betriebsrat dargestellt werde.Der Stahlkonzern sei nicht erst von den Gesprächen mit dem luxemburgischen Arbed-Konzern in eine Führungskrise gestürzt worden.Deshalb sei der Eindruck unzutreffend, Selenz habe zurücktreten müssen, weil er an den Gesprächen der Landesregierung und der Norddeutschen Landesbank mit Arbed beteiligt gewesen sei.

Praktisch seit der Loslösung von der Preussag habe es bei der Führung des Unternehmens Schwierigkeiten mit Selenz gegeben."Vor einem halben Jahr haben dann die Arbeitnehmervertreter erstmals im Aufsichtsrat auf die Probleme mit dem Vorstandschef hingewiesen." Zu dessen konkreten Versäumnissen und Fehlleistungen dürfe und wolle er als Aufsichtsratsmitglied keine Angaben machen, sagte Hickel.

Der "Restvorstand" sei arbeitsfähig, sagte Hickel.Schließlich hätten diese fünf Manager schon 1998 trotz der Führungskrise für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung gesorgt.Insofern gebe es keinen Zeitdruck bei der Suche nach einem Nachfolger für Selenz.Hickel unterstützte eine Fortsetzung der Gespräche mit Arbed.Die Arbeitnehmerseite habe immer die Suche nach einem Partner befürwortet.Wichtig sei, daß es dabei um eine Partnerschaft und nicht um eine bloße Übernahme gehe.Ministerpräsident Glogowski hat dagegen starke Zweifel an einem Zustandekommen der Kooperation geäußert.Das Problem der unterschiedlichen Bewertung der Unternehmen sei nicht zu lösen.Bei einem Aktientausch würden die Wertpapiere der Kleinanleger einen großen Wertverlust erleiden.

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