Wirtschaft : Sammler fragen Raritäten nach

UDO RETTBERG (HB)

Historische Wertpapiere erzielen auf den Herbstauktionen SpitzenwerteVON UDO RETTBERG (HB)

Die bevorstehende Vermarktung von Millionen Stücken alter Wertpapiere, die derzeit noch in den Tresoren der ehemaligen Reichsbank in Berlin lagern, hat am kleinen und relativ jungen Sammlermarkt für Historische Wertpapiere zu einer "Flucht in Qualität" geführt.Aktien und Anleihen aus dem vergangenen Jahrhundert, die nur noch in geringer Stückzahl oder aber lediglich als Einzelstücke verfügbar sind und die eine interessante Geschichte aus den Anfängen des Industrie-Zeitalters erzählen können, sind mehr denn je gefragt. Dieser Trend war jedenfalls auf den in den Monaten Oktober und November hierzulande veranstalteten Auktionen dieser alten Zeugen der Wirtschafts- und Finanzgeschichte verstärkt festzustellen."Die Schere zwischen Massenware und Spitzenware wird auf unserem Markt noch weiter auseinanderdriften", ist Reinhild Tschöpe, Chefin des Kaarster Auktionshauses Tschöpe, vom weiteren Aufwärtstrend wirklich seltener Historischer Wertpapiere überzeugt. Festzustellen ist in diesen Wochen allerdings, daß die Unsicherheit über die Vermarktung der Reichsbank-Bestände für ein zunehmendes Angebot sorgt, wie die reichlich bestücken jüngsten Auktionen unter Beweis gestellt haben.Die Freunde Historischer Wertpapiere, die in Wolfenbüttel ihren Sitz haben, brachten es auf ihrer kürzlich abgehaltenen 47.Auktion, die in München stattfand, bei 1547 ausgerufenen Losen auf einen Nettoumsatz von rund 370 000 DM.Allerdings gab es nach Angaben von "Freunde"-Chef Jörg Benecke für rund 700 Lose keine Interessenten.Zusammen mit der zuvor in Frankfurt am Main abgehaltenen Auktion brachten es die "Freunde" damit innerhalb von nur sechs Wochen auf einen Umsatz von über einer Mill.DM. Zufrieden mit dem Ergebnis seiner im Frankfurter Palmengarten abgehaltenen 14.Auktion zeigte sich Michael Steinke, Geschäftsführer der Antik Effekten GmbH in Frankfurt.Bei einem Gesamt-Angebot von 980 Losen und einer daraus resultierenden Ausrufsumme von 325 000 DM wurden für insgesamt 530 Lose Gebote abgegeben.Der Nettoumsatz wird mit 256 000 DM angegeben.Die bislang unbekannte Gründeraktie der "Münchener Trambahn-Actien-Gesellschaft" aus dem Jahr 1882 wurde nach einem erbitterten Gefecht der Bieter bei 15 500 DM deutlich über dem bei 7500 DM liegenden Ausruf zugeschlagen.Am heute bundesweit veranstalteten "Aktionstag Börse" feiert das Kaarster Auktionshaus Tschöpe ein Jubiläum.Die in Düsseldorf abgehaltene 40.Auktion umfaßt zahlreiche rare und kostbare Spitzenstücke aus aller Welt.Dabei bietet das Haus Tschöpe neben günstigen Einsteigerpapieren vor allem auch seltene Autographen- und Eisenbahnaktien."Wahre Werte kennen keine Baisse", setzt Reinhild Tschöpe dabei mit dem Wissen um bereits zahlreich vorliegende Schriftbietungen auf einen erneut positiven Verlauf dieser Jubiläums-Auktion.Die Veranstaltung in Düsseldorf umfaßt 505 Lose im Gesamtausruf von 414 000 DM.Auf besonderes Interesse dürfte eine aus dem Jahr 1870 stammende Gründeraktie der "Standard Oil Company", aus der die weltbekannten Ölkonzerne Exxon und Mobil Oil hervorgegangen sind, stoßen.Das die Original-Unterschrift von John D.Rockefeller tragende Exponat wird zum Spitzenpreis von 58 000 DM zum Ausruf gelangen.Eine Gründeraktie der "American Express Company" aus dem Jahr 1853 wird zu 35 000 DM ausgerufen.Aus dem Jahr 1933 stammt eine vom berühmten Stummfilmstar Buster Keaton eigenhändig unterschriebene Aktie der "Flamingo Films Inc.", deren Ausruf bei 4800 DM liegt.

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