Samsung Flop, Facebook Top : Mit Smartphones steht und fällt der Erfolg

Die kleinen Bildschirme der Smartphones machten Facebook lange Probleme. Doch inzwischen profitiert das Soziale Netzwerk von den Alleskönnern. Für die Hersteller wird der Boom hingegen langsam zum Problem.

Hingucker. Smartphones gehören inzwischen zum Standard. Dass bald jeder eines hat, wird für die Hersteller offenbar zum Problem.
Hingucker. Smartphones gehören inzwischen zum Standard. Dass bald jeder eines hat, wird für die Hersteller offenbar zum Problem.Foto: Jens Kalaene/dpa

Spätestens seit dieser Woche ist klar: Der Smartphone-Boom ist endlich und die jahrelange Konzentration auf die mobilen Geräte, könnte für die führenden Technologiekonzerne zum Problem werden. Nach Apple am Dienstag stimmt nun auch Samsung als härtester Rivale auf ein schwächeres Geschäft mit den smarten Alleskönnern ein.

Im vierten Quartal ist der Smartphone-Absatz im Vergleich zum Quartal davor wegen einer Bereinigung der Lagerbestände leicht zurückgegangen, wie das führende südkoreanische Technologieunternehmen am Donnerstag mitteilte. Zudem habe sich der Anteil der Produkte im mittleren und unteren Preisbereich erhöht, was zu einem geringeren Umsatz geführt habe.

2016 werde es „infolge eines schwierigen Geschäftsumfelds und einer schwächeren IT-Nachfrage“ schwierig, das Gewinn-Niveau zu halten, hieß es. Der Wettbewerb werde intensiver. Dennoch erwarte man bei Smartphones und Tablet-Computern einen einstelligen Zuwachs. 

Apple wird weniger verkaufen

Apple-Chef Tim Cook hatte am Vortag einen sinkenden iPhone-Absatz im laufenden Quartal vorausgesagt. Im vergangenen Weihnachtsgeschäft verzeichnete der Konzern noch ein leichtes Plus von 0,4 Prozent auf 76,8 Millionen Geräte. Im Gegensatz zu Samsung legte Apple für das Weihnachtsquartal bei Umsatz und Gewinn noch Rekordzahlen vor. 

Im oberen Preissegment ist Apple nach wie vor schärfster Konkurrent. Und im Markt für Massenprodukte tobt ein Preiskampf. Dort stellen vor allem billige Modelle chinesischer Marken die Südkoreaner vor Probleme.

Jedes fünfte Smartphone kommt von Samsung

Im Ende Dezember abgelaufenen Quartal habe Samsung mit 81,3 Millionen verkauften Smartphones noch vor Apple gelegen, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf den Marktforscher Strategy Analytics. Damit habe Samsung einen führenden Marktanteil von 20,1 Prozent gehabt. 

Neben negativen Währungseinflüssen machte Samsung auch die fallenden Preise für Chips und Flüssigkristall-Anzeiger (LCD) für einen Gewinnrückgang verantwortlich. Der Überschuss fiel im Jahresvergleich um 40 Prozent auf 3,22 Billionen Won (2,44 Milliarden Euro), wie das führende südkoreanische Technologieunternehmen am Donnerstag mitteilte. Auch im gesamten Jahr fiel der Gewinn des größten Herstellers von Smartphones, Speicherchips und Fernsehern - von 23,39 Billionen Won 2014 auf 19,06 Billionen Won.

Facebook profitiert von großer Verbreitung

Was für die einen zum Fluch werden könnte, ist für die anderen noch ein Segen. Bei Facebook lässt vor allem Werbung auf Smartphones die Kassen klingeln. Im vergangenen Quartal sprang der Umsatz im Jahresvergleich um fast 52 Prozent auf 5,84 Milliarden Dollar hoch. Den Gewinn konnte das weltgrößte Online-Netzwerk mit 1,56 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln. Die Anleger waren begeistert: Die Aktie schoss nachbörslich um mehr als zwölf Prozent hoch.

Facebook hatte Ende vergangenen Jahres gut 1,59 Milliarden aktive Nutzer weltweit - 46 Millionen mehr als drei Monate zuvor. Nach wie vor greift gut eine Milliarde von ihnen täglich auf Facebook zu. Werbung macht fast das gesamte Geschäft von Facebook aus, zuletzt lag der Anteil bei 96,5 Prozent. Die Bedeutung von Einnahmen aus Spielen und anderen Diensten sank noch weiter.

50 Prozent gehen nur noch übers Smartphone

Dabei spielen Smartphones eine herausragende Rolle - gut die Hälfte der Mitglieder greift auf Facebook ausschließlich von mobilen Geräten zu und nur rund jeder Zehnte tägliche Nutzer setzt einen PC ein. Das schlägt sich auch bei den Werbeeinnahmen nieder: 80 Prozent kommen von mobilen Geräten. Facebook und die Foto-Tochter Instagram mit über 400 Millionen Nutzern seien zu den beiden wichtigsten mobilen Werbe-Plattformen geworden, erklärte die für das operative Geschäft zuständige Managerin Sheryl Sandberg.

Dabei ist das Geschäft in den USA deutlich stärker ausgebaut als im Rest der Welt. Im Heimatmarkt liegt der durchschnittler Werbeumsatz pro Nutzer bei 12,89 Dollar und in der zweitstärksten Region Europa nur bei 4,36 Dollar. Facebook hat jetzt in Europa 323 Millionen aktive Nutzer, acht Millionen mehr als drei Monate zuvor.

Anzeigen im Stream waren die zündende Idee

Beim Börsengang im Mai 2012 hatten sich die Anleger noch große Sorgen gemacht, ob Facebook mit dem Wechsel der Nutzer vom PC auf Smartphones klarkommt. Das Online-Netzwerk kam jedoch auf die Idee, die Anzeigen direkt zwischen Einträgen im Neuigkeiten-Strom der Nutzer unterzubringen, statt am Bildschirmrand. Das sorgte am Ende für noch deutlich schnelleres Umsatzwachstum.

Zuletzt fokussierte sich Facebook verstärkte auf Video-Inhalte. Inzwischen schauten sich die Nutzer 100 Millionen Stunden Videos pro Tag an, sagte Zuckerberg. Er ist sehr an der Technik für „virtuelle Realität“ interessiert, bei der Nutzer mit Hilfe spezieller Brillen in digitale Welten eintauchen können. Facebook kaufte für zwei Milliarden Dollar den Branchenpionier Oculus, der demnächst seine seit langem entwickelte Brille Oculus Rift auf den Markt bringt. Zuckerberg zeigte sich erneut überzeugt, dass virtuelle Realität viele Bereiche verändern könne. Zunächst würden aber Spiele im Mittelpunkt stehen.

Facebook will massiv in Virtuelle Realität investieren

In diesem Jahr will Facebook die Ausgaben auch mit Blick auf Projekte wie Oculus um 30 bis 40 Prozent steigern. In diesem Jahr soll auch die bei Facebook entwickelte große Drohne „Aquila“ ihren ersten Flug machen. Zuckerberg will mit ihrer Hilfe entlegene Regionen mit Internet versorgen. Das Programm „Free Basics“, bei dem Menschen kostenlosen Zugang zu populären Online-Diensten - und darunter auch Facebook - bekommen, habe inzwischen 19 Millionen Nutzer.

Der Kurzmitteilungsdienst WhatsApp stehe an der Schwelle zu einer Milliarde Nutzer, hieß es. Facebook hatte vor rund zwei Jahren gut 22 Milliarden Dollar für WhatsApp bezahlt. Zum Netzwerk gehört auch der ähnliche Service Facebook Messenger mit über 800 Millionen Nutzern. Facebook hat damit eine sehr starke Position bei den Diensten, die für viele Menschen die SMS abgelöst haben.

Analysten hatten weniger erwartet

Analysten hatten für das vergangene Quartal im Schnitt mit Erlösen von knapp 5,4 Milliarden Dollar gerechnet und waren auch von niedrigeren Gewinnen ausgegangen. Dabei wurde Facebook wie andere US-Unternehmen auch vom starken US-Dollar gebremst: Ohne die ungünstige Kursentwicklung hätte es ein Umsatzplus von 60 Prozent gegeben, hieß es.

Im gesamten vergangenen Jahr stieg der Umsatz um 44 Prozent auf 17,83 Milliarden Dollar. Der Gewinn legte um gut ein Viertel auf 3,69 Milliarden Dollar zu. Facebook steigerte die Zahl der monatlich aktiven Nutzer binnen eines Jahres um 200 Millionen. Das Online-Netzwerk sammelte Geldreserven von 18,4 Milliarden Dollar an. (sf/dpa)

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