Wirtschaft : Samsung lässt nach

Der weltgrößte Handyhersteller hat weniger Smartphones verkauft als erwartet. Die Anleger sind skeptisch, wie es weitergeht.

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Baden gegangen. Mit viel Aufwand bewirbt Samsung seine neuen Smartphones. Hier zeigt ein Promoter, dass das Modell S4 Active auch wasserfest ist. Foto: dpa
Baden gegangen. Mit viel Aufwand bewirbt Samsung seine neuen Smartphones. Hier zeigt ein Promoter, dass das Modell S4 Active auch...Foto: dpa

Berlin - Der koreanische Hersteller Samsung wird Opfer seines eigenen Erfolges. Ähnlich wie beim US-Konkurrenten Apple sind die Anleger inzwischen so verwöhnt, dass sie immer neue Höchstleistungen erwarten. So kommt es, dass die Samsung-Aktie am Freitag an ihrer Heimatbörse in Seoul um knapp vier Prozent einbrach, obwohl das Unternehmen für das zweite Quartal 2013 einen auf 9,5 Billionen Won (6,4 Milliarden Euro) gesteigerten operativen Gewinn melden konnte. Im Jahresvergleich war das ein Plus von 47 Prozent. Der Markt hatte aber mit noch stärkeren Zahlen gerechnet. Und er zeigte sich enttäuscht über die verhaltene Prognose für das Spitzenprodukt, das Smartphone Galaxy S4.

Samsung produziert zwar auch Waschmaschinen, Schiffe, Fernseher und Halbleiter. Aber das Geschäft mit Handys und Smartphones macht mehr als 70 Prozent des operativen Gewinns aus. Mit dem Galaxy hatte Samsung es geschafft, Apple als weltweit größten Smartphone-Hersteller abzulösen. Zuvor hatte das iPhone fünf Jahre lang die Branche dominiert. Ende April war das neue, vierte Galaxy-Modell in 150 Ländern in die Läden gekommen.

Da Apple erst für den Herbst neue Produkte angekündigt hat, waren Analysten davon ausgegangen, dass Samsung genügend Zeit hat, den Abstand zum US-Konkurrenten und zu anderen Rivalen wie LG Electronics, Huawei, ZTE oder auch Nokia auszubauen. Samsung hatte die Einführung des Galaxy S4 zudem mit einer großen Marketingkampagne begleitet und dafür offenbar mehr Geld ausgegeben, als Analysten erwartet hatten. Nach Expertenschätzungen gibt Samsung mehr als viermal sowie für Werbung aus wie Apple.

Die Zahlen zeigen jetzt jedoch, dass das Unternehmen die Smartphone-Verkäufe nicht mehr so stark steigern konnte wie zuvor. So lieferte Samsung im zweiten Quartal nur vier Prozent mehr aus – im vorangegangenen Quartal waren die Auslieferungen noch doppelt so stark gestiegen. Zugleich sind die Margen unter Druck, weil sich Konsumenten in wichtigen Märkten wie China nach günstigeren Modellen umschauen. Chinesische Konkurrenten wie Huawei oder ZTE machen deshalb im mittleren und unteren Preissegment Boden gut. Der frühere Marktführer Nokia stellte erst diese Woche zwei Geräte vor, die für umgerechnet nur 52 Euro angeboten werden sollen. Analysten sind sich immer noch unsicher, wie Samsung auf das Billigsegment reagieren wird.

Im Gegensatz zu Apple hat Samsung allerdings bereits eine breite Palette von Smartphones in unterschiedlichen Preissegmenten im Angebot. Wie bei Apple besteht aber auch bei Samsung Unklarheit darüber, ob es dem Unternehmen gelingt, ein hohes Tempo bei Innovationen beizubehalten. Immer wieder etwas Neues herauszubringen und dabei die entscheidenden Trends nicht zu verpassen, entscheidet in dieser Branche schneller als in anderen über Erfolg und Misserfolg eines Unternehmens. Nokia ist ein Beispiel, wie schnell man von der Position des Marktführers abstürzen kann. Nokia hatte zwar eines der ersten Mobiltelefone mit dem man Mails empfangen konnte am Markt, hat dann aber die weitere Entwicklung der Smartphones verschlafen.

Die wachsende Skepsis der Investoren gegenüber Samsung kann man – wie bei Apple – am Aktienkurs ablesen: Die Samsung-Papiere haben seit Juni 17 Prozent verloren. Der Marktwert des Unternehmens sank dadurch auf 144 Milliarden Euro. Die vollständige Bilanz für die Monate April bis Juni will Samsung am 26. Juli vorlegen. Corinna Visser

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