Wirtschaft : Sanierer ohne Sanierungsfall

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Der US-Fonds Lone Star kennt Berlin gut. Er war einer der ersten Investoren, die hier in großem Stil Plattenbauten kauften, sanierten und wieder attraktiv machten. Auch im Finanzbereich gelten die Amerikaner als ausgewiesene Experten, angeschlagene, unattraktive Institute wieder auf Vordermann zu bringen. Diese Aufgabe übernahmen sie zum Beispiel bei der ehemals gewerkschaftseigenen deutschen Hypothekenbank AHBR, die neu ausgerichtet wird und im Laufe der nächsten zwei, drei Jahre an die Börse gebracht werden soll. In Korea geriet Lone Star allerdings wegen einer Bankensanierung in den Fokus der Justiz. Bei dem Erwerb der Anteile an der KEB soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Sicher ist aber, dass sich der Wert innerhalb kurzer Zeit vervielfachte.

Lone Star verwaltet Geld von öffentlichen oder privaten Pensionsfonds. Auch Universitätsstiftungen und Versicherungen vertrauen Lone Star Mittel an. Seit 1995 steckten die Amerikaner weltweit mehr als 13,3 Milliarden Dollar in Anleihen, Immobilien und vereinzelte Firmenübernahmen – und das mit so wenig öffentlichem Aufsehen wie nur möglich.

Lone Star hat auch schon 2002/03 bei der ersten Verkaufsrunde für die Landesbank Berlin – damals noch Bankgesellschaft – erfolglos mitgeboten. Die Amerikaner waren vor allem am Privatkundengeschäft interessiert. Das wollten sie mit neuen Angeboten ausbauen und profitabler machen. Welche Strategie Lone Star heute verfolgt, da auch alle anderen großen deutschen Banken den privaten Sparer wiederentdeckt haben, ist unklar. Zumal die LBB keinen Sanierungsfall mehr darstellt, also gar nicht richtig in das Zielraster von Lone Star passt. Außerdem ist kaum damit zu rechnen, dass der Fonds Berlin mit einem sehr hohen Kaufpreis zu ködern versucht. Dass die Lone-Star-Manager genau kalkulieren, haben sie vor vier Jahren gezeigt. hop

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