Sanierung : Händler wollen Opel nicht helfen

Die Opel-Händler halten Staatshilfen für den angeschlagenen Autohersteller für unumgänglich. Einen eigenen Beitrag zur Gesundung lehnen sie aber ab - obwohl sie vor nicht langer Zeit noch eine halbe Milliarde Euro aufbringen wollten.

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Berlin - Die deutschen Opel-Händler begrüßen den Sanierungsplan, den Opel- Chef Nick Reilly für das Unternehmen vorgelegt hat. Sie lehnen aber einen eigenen Sanierungsbeitrag ab. „Wir sind der Überzeugung, dass eine Restrukturierung und Werksschließungen unumgänglich sind, um Opel in die Lage zu versetzen, wieder Gewinne zu machen“, sagte Thomas Bieling, Sprecher des Verbands der Opel-Händler, dem Tagesspiegel. „Aber es ist erfreulich, dass Herr Reilly nicht vorhat, das Unternehmen gesundzuschrumpfen.“ Bieling lobte auch Reillys Ankündigung, in den kommenden Jahren elf Milliarden Euro in das Unternehmen investieren zu wollen. „Allerdings muss man sich schon fragen, woher das Geld kommen soll“, räumte Bieling ein.

Angesichts des Sanierungsumfangs hält Bieling Staatshilfen für das Unternehmen für notwendig. Die Grünen dagegen lehnen dies ab. „Wenn der Plan funktioniert, kann er viele Arbeitsplätze retten – nicht nur bei Opel, sondern auch bei Zulieferern und bei uns Händlern“, sagte Bieling. Voraussetzung für Staatshilfen sei allerdings eine gründliche Prüfung des Plans durch externe Experten.

Zu einem möglichen Sanierungsbeitrag der Händler sagte Bieling: „Eine Beteiligung der Händler steht nicht zur Debatte.“ Für den Fall einer Opel-Übernahme durch den Autozulieferer Magna hatten die Händler einen Beitrag von 500 Millionen Euro in Aussicht gestellt. „Dieses Angebot ist hinfällig.“ Sollte GM auf die Händler mit der Frage eines Sanierungsbeitrag zukommen, könne man darüber reden, sagte Bieling. „Aber es ist fraglich, ob die europäischen Händler dazu bereit wären“, fügte er hinzu. „Unsere Situation ist im Moment alles andere als einfach.“ Allerdings könne er nicht beobachten, dass die Opel-Händler wegen verunsicherter Kunden größere Schwierigkeiten hätten als andere Autohändler.

Die Grünen im Bundestag lehnen Staatshilfen für Opel ab. „Das Konzept von GM kann der Bund nicht unterstützen. Es ist nicht glaubwürdig, hat keine ökologische Komponente und wird auch vom Betriebsrat nicht unterstützt“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen, Fritz Kuhn, dem Tagesspiegel. „Dass Deutschland für die Streichung von 3900 Stellen noch 1,5 Milliarden Euro geben soll, ist geradezu unanständig.“ Da GM Opel behalten wolle, sei GM nun auf sich allein gestellt. Der US-Konzern dürfe weder Subventionen noch Mittel aus dem Deutschlandfonds bekommen, denn das widerspreche den Regeln des Deutschlandfonds. Opel sei nicht durch die Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten. „Ich habe aber die Sorge, dass die Bundesregierung den Deutschlandfonds verändern will“, sagte Kuhn. „Sonst könnten sie ja gar keine Hilfe zur Verfügung stellen.“

Zu Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP), der sich bereits zurückhaltend zu Staatshilfen für Opel geäußert hatte, sagte Kuhn: „Brüderle soll nicht herumeiern und gut aufs Geld aufpassen.“ Der Grünen-Politiker betonte jedoch: „Ich kann nur für die Bundesebene sprechen. Die Bundesländer müssen ein eigenes gemeinsames Konzept entwickeln.“ Für die Grünen in den vom Jobabbau betroffenen Ländern Hessen und Nordrhein-Westfalen könne er keine Festlegung treffen.

Die Berliner Opel-Händlerin Heidi Hetzer ist zwar grundsätzlich auch gegen Staatshilfen für Unternehmen, doch bei Opel werde staatliche Unterstützung als Überbrückung gebraucht, um Arbeitsplätze zu retten. „Wenn Opel zumacht, haben wir ein viel größeres Problem“, sagte Hetzer. Ein Abbau von Arbeitsplätzen sei allerdings unumgänglich. „Das steht seit Jahren fest“, sagte Hetzer. Auch sie selbst habe in ihrem Autohaus Arbeitsplätze abbauen müssen. „Jetzt sehe ich wieder Licht am Ende des Tunnels.“ Ob die Diskussion über die Zukunft von Opel den Verkauf der Autos behindere, sei schwer zu sagen. „Es wird überall schlecht verkauft“, sagte Hetzer. Das Geschäft laufe in etwa auf dem Niveau wie vor der Abwrackprämie. „Im Moment verkaufen wir mehr gebrauchte als neue Autos.“ 

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