Wirtschaft : Sanierungspakt für Japans Banken unter Dach und Fach

TOKIO (AFP).Nach Monaten des Zauderns und massivem Druck des Auslands ist in Japan jetzt ein milliardenschweres Programm zur Sanierung des angeschlagenen Bankenwesens unter Dach und Fach.Das Oberhaus in Tokio billigte am Freitag den abschließenden Teil eines Gesetzespaketes, das Hilfen für schwache, aber lebensfähige Kreditinstitute vorsieht.Sie können öffentliche Gelder aus einem Topf von 25 Billionen Yen (umgerechnet rund 340 Mrd.DM) in Anspruch nehmen.Insgesamt greift die Regierung dem Bankensektor mit 60 Billionen Yen unter die Arme.18 Billionen Yen sind dafür vorgesehen, zusammengebrochene Institute zunächst unter staatliche Kontrolle zu stellen, ihre faulen Kredite abzuschreiben und die Häuser dann an private Interessenten zu veräußern.Mit 17 Billionen Yen sollen Einlagen bei pleitegegangenen Banken geschützt werden.Die Tokioter Börse reagierte am Freitag eher zurückhaltend auf das Maßnahmenpaket.

Die Sanierung der Geldhäuser gilt als wichtige Voraussetzung zur Wiederankurbelung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, die im Zuge der Asienkrise in schwere Turbulenzen geraten ist.Eine Reihe japanischer Banken sitzt auf einem Berg unsicherer und fauler Kredite von mindestens 87,5 Billionen Yen - Folge der Anfang der 90er Jahre geplatzen Spekulationsblase auf dem Aktien- und Immobilienmarkt.Die Regierung hatte das Bankenproblem lange ignoriert; in der letzten Zeit häuften sich die mahnenden Stimmen aus dem Ausland, vor allem den USA und Europa.

Auch an der jetzt vom Oberhaus verabschiedeten Vorlage für die Banken in Schieflage wurde selbst innerhalb der Regierung Kritik laut.So wird bezweifelt, ob das neue Gesetz wirksam ist, falls die Banken nicht zur Annahme der Gelder gezwungen werden können.Deren Vergabe ist an harte Bedingungen geknüpft: Gefordert werden zum Teil Entlassungen im Management, ehe die Mittel fließen.Eine Reihe von Gesetzen zur Abwicklung zusammengebrochener Banken verabschiedete das Parlament bereits zu Wochenbeginn.

Erster Kandidat für die Radikalkur dürfte die Long-Term Credit Bank (LTCB) sein, die im Juni eine spektakuläre Beinahe-Pleite hingelegt hatte.Der Fonds zum Schutz der Anleger wurde bereits im Februar ins Leben gerufen.

Am japanischen Aktienmarkt notierten die Bankentitel am Freitag zumeist nur wenig höher.Einige große Kreditinstitute verzeichneten allerdings erhebliche Gewinne.Der Nikkei-Index schloß unter dem Eindruck der positiven Vorgaben der New Yorker Wall Street vom Vortag mit einem Plus von 2,2 Prozent oder 285,17 Punkten bei 13 280,54 Zählern.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar