Wirtschaft : Sanofi-Aventis wertet den Standort Berlin auf Marketing und Verkauf kommen in die Hauptstadt

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Der neu geformte Pharma-Konzern Sanofi-Aventis wird seine beiden Verwaltungsstandorte Berlin und Bad Soden bei Frankfurt beibehalten, allerdings die Verantwortung für Marketing und Verkauf in der Deutschland-Zentrale in der Hauptstadt ansiedeln. Wie viele Arbeitsplätze vom Main an die Spree oder auch umgekehrt verlagert werden, ließ Sanofi-Chef Jean-François Dehecq am Donnerstag Nachmittag auf einer Mitarbeiterversammlung in Frankfurt offen.

„Ich werde dazu keine Zahlen nennen. Der Respekt gebietet es, darüber zuerst mit den Betriebsräten zu sprechen“, sagte Dehecq. Er versichert aber, dass weder Berlin noch Bad Soden geschlossen werden. Allerdings müssten beide Standorte optimiert werden, bis Jahresende sollen die Gespräche darüber abgeschlossen werden. In Berlin beschäftigt Sanofi derzeit rund 350 Mitarbeiter, in der ehemaligen Aventis-Deutschland-Zentrale in Bad Soden rund 600.

Dehecq wurde im Beisein des gesamten Sanofi-Vorstandes von rund 5000 Mitarbeitern in der Jahrhunderthalle mehrfach mit Beifall bedacht. Sein erster Auftritt vor den deutschen Beschäftigten sei ein „Riesenerfolg" gewesen, sagte Heinz-Werner Meier, im Vorstand von Sanofi-Aventis für Deutschland verantwortlich. Dehecq lobte den Forschungs- und Produktionsstandort Frankfurt: „Hier wird extrem professionell und mit hervorragender Qualität gearbeitet."

Er sehe keinen Grund dafür, dass beide Bereiche in Deutschland nicht ausgebaut werden sollten. „Dass man mir unterstellt hat, ich wolle Frankfurt kaputtmachen, ist aberwitzig." Konkrete Expansionspläne nannte Dehecq allerdings nicht. Er schloss zugleich auch Einschnitte in einzelnen Bereichen nicht aus. Es werde bestimmte Maßnahmen geben, schließlich habe er aufgrund der Übernahme auch Synergieeffekte versprochen. Insgesamt sollen durch die Fusion rund 1,6 Milliarden Euro eingespart werden. Bevor möglicherweise notwendige Schritte nicht mit den Sozialpartnern abgesprochen seien „werden Sie dazu von mir keine Zahl hören." Die Mitarbeiter würden in die Diskussion mit einbezogen.

Dehecq machte bei seinem Auftritt auch deutlich, dass er das neue Unternehmen mit einem veränderten Konzept führen werde. Im Gegensatz zur alten Aventis werde Sanofi-Aventis nicht nur auf umsatzstarke neue und patentgeschützte Produkte, so genannte Blockbuster, setzen, sondern auch auf Medikamente, deren Patentschutz abgelaufen ist und auf Generika. Damit könnten die Produktionsstätten viel besser ausgelastet werden. Der 64-jährige Franzose zeigte sich auch als strikter Gegner des „Outsourcing", des Verkaufs von Bereichen, die nicht zum Kerngeschäft gehören. „Eine solche Strategie ist unsinnig. Was ausgelagert wurde und wieder hereingeholt werden kann, werden wieder ins Unternehmen hereinholen."

Insgesamt haben sich die Gemüter der Aventis-Mitarbeiter mit Blick auf die Übernahme offenbar deutlich entspannt, nachdem sich im Frühjahr der Zorn gegen Sanofi noch in mehreren Betriebsversammlungen entladen hatte. „Es sieht ganz gut aus“, sagte Aventis-Betriebsratschef Michael Klippel. „Produktion und Forschung in Frankfurt werden auch in der neuen Sanofi-Aventis eine wichtige Rolle spielen.“

Mit der Vorstellung eines neuen Logos hatte Sanofi-Aventis am Mittwoch weltweit offiziell den Startschuss für das neue Unternehmen gegeben. In Europa ist der Konzern in der Pharmabranche nach eigenen Angaben Nummer eins, weltweit die Nummer drei. Sanofi-Aventis setzt jährlich etwa 25 Milliarden Euro um und beschäftigt knapp 100 000 Mitarbeiter, davon rund 10 000 in Deutschland, etwa 9000 allein im Rhein-Main-Gebiet. Die bedeutend kleinere Sanofi-Synthelabo hatte Aventis im Frühjahr nach zunächst heftiger Gegenwehr des Aventis-Vorstandes für mehr als 50 Milliarden Euro übernommen.

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