Wirtschaft : SAP: Allianz mit Commerce One - Kooperation soll Lücke im Internet-Geschäft schließen

shf/pos/HB)

Eine Allianz mit dem US-Softwareunternehmen Commerce One und ein Großauftrag von Nestlé haben am Mittwoch der Internet-Strategie von SAP neue Glaubwürdigkeit verliehen. Die Börse zeigte sich indes noch nicht ganz überzeugt.

Über die Kooperation mit Commerce One hofft SAP eine der vielfach kritisierten Lücken in ihrem Software-Angebot zu schließen. Beide Unternehmen wollen nach Informationen des Handelsblatts gemeinsam Technologien für elektronische Marktplätze und den elektronischen Handel zwischen Unternehmen (B2B) entwickeln und vertreiben. Auf diesem Gebiet gilt Commerce One als führender Anbieter. Im Zuge der Allianz wird SAP Commerce-One-Aktien im Wert von rund 200 Millionen Dollar erwerben, was derzeit einem Anteil von gut zwei Prozent an dem US-Unternehmen entspricht.

Dem SAP-Konzern, der als Marktführer bei Software für interne Betriebsabläufe gilt, wurde in jüngerer Zeit immer wieder vorgeworfen, er habe seine Systeme zu spät und ungenügend auf den Internet-Handel sowie auf die Steuerung von externen Kunden- und Lieferbeziehungen ausgerichtet. Entsprechende Befürchtungen bescherten der SAP-Aktie seit Jahresbeginn einen Kursrückgang von rund 40 Prozent.

Unterdessen bemühte sich SAP am Mittwoch, seinen Anspruch als einer der führenden Anbieter von internetfähiger Software mit der Bekanntgabe eines Großauftrags von Nestlé zu untermauern. Der Schweizer Lebensmittelkonzern will seine mehr als 230 000 Mitarbeiter mit dem SAP-System mySAP.com ausstatten.

Die Börse reagierte auf diesen bisher größten Auftrag in der SAP-Geschichte bis zum Nachmittag mit einem Kursanstieg von gut sechs Prozent auf 616 Euro. Analysten werteten den Auftrag als wichtigen Schritt, der Vertrauen für die Internet-Strategie zurückbringen dürfte. Sie warnten zugleich aber vor einer Überbewertung. "Das ist eine schöne Sache, aber nichts dramatisches", meinte Heinz Steffen von der Commerzbank. Einer stärkeren Reaktion des Marktes stand nach Ansicht externer Experten unter anderem die Tatsache entgegen, das SAP bereits bei Vorlage der überraschend schwachen Quartalszahlen im April eine Reihe größerer Verträge in Aussicht gestellt hatte. Schließlich dürften auch die Erfahrungen vom vergangenen Jahr eine Rolle spielen. Damals erschien ein Großauftrag von Hewlett-Packard als Indiz für den Markterfolg von mySAP.com. Die davon ausgelöste Euphorie wurde später jedoch wieder enttäuscht.

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