SAP : Chinas Schwäche verdirbt dem Softwarekonzern das Geschäft

Der Softwarekonzern senkt seine Umsatzprognose.

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SAP möchte in Zukunft besser erklären, was das Unternehmen macht. So will der Softwarekonzern Schauräume ähnlich den Apple-Stores einrichten. Dort wird man als Privatkunde zwar keine Produkte kaufen können, sagte SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe. Aber das Unternehmen werde dort zeigen, welche Lösungen andere Unternehmen mit Unterstützung von SAP-Software entwickeln, zum Beispiel im Bereich der Energiesteuerung zu Hause, des vernetzten Autos oder der personalisierten Medizin.

Viele dieser Anwendungen basieren auf Hana, einer von SAP entwickelten Plattform zur schnellen Analyse von großen Datenmengen. Hana sei weiterhin ein wesentlicher Wachstumsmotor für SAP, teilte das Unternehmen am Donnerstag zur Veröffentlichung der Quartalszahlen mit. So sei der Hana-Softwareumsatz im Jahresvergleich um 21 Prozent gestiegen und habe im zweiten Quartal bei 102 Millionen Euro gelegen. Im Gesamtjahr soll der Softwareumsatz mit Hana auf 650 bis 700 Millionen Euro wachsen. Auch bei Cloud-Anwendungen erwartet SAP eine weiter steigende Nachfrage.

Insgesamt musste Europas größter Softwarekonzern seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr jedoch nach unten korrigieren. Zwar läuft das Geschäft in Nord- und Lateinamerika gut und SAP konnte auch auf dem Heimatmarkt Deutschland eine hohe einstellige Wachstumsrate bei den Softwareerlösen erzielen. Doch in der Region Asien-Pazifik-Japan sind die Umsatzerlöse aus Software und Cloud-Vertragsabschlüssen wegen „anhaltender wirtschaftlicher Herausforderungen“ um sieben Prozent zurückgegangen.

Zwar wächst das Geschäft in einigen Ländern der Region wie beispielsweise in Indien und in Südostasien. Doch wegen der Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung in China hielten sich viele Unternehmen mit Investitionen in Software zurück, sagte SAP-Co-Chef Snabe. Die Abschwächung der Konjunktur in China wirke sich vor allem auf Japan und Australien aus – zwei der größten Märkte von SAP in der Region. Asien und die Pazifik-Region machen gut 16 Prozent der Produktumsätze von SAP aus und waren in den vergangenen Jahren ein wichtiger Wachstumstreiber. Das Management geht inzwischen davon aus, dass sich die Situation erst im kommenden Jahr wieder verbessern wird. „Die Region Asien-Pazifik bleibt eine große Wachstumschance für SAP“, sagte Snabe.

Alles in allem erwartet SAP im Gesamtjahr weiterhin ein zweistelliges Wachstum. So sollen die Softwareumsätze und die damit zusammenhängenden Serviceerlöse (ohne die Berücksichtigung von Währungseffekten) um mindestens zehn Prozent ansteigen. Bisher war SAP jedoch von einem Wachstum zwischen elf und 13 Prozent ausgegangen. An der Gewinnprognose hält SAP fest. Demnach rechnet das Unternehmen mit einem Betriebsergebnis zwischen 5,85 Milliarden und 5,95 Milliarden Euro. Die Investoren reagierten am Donnerstag sehr nervös auf die reduzierte Umsatzprognose. In der Spitze verlor die SAP-Aktie mehr als vier Prozent. Doch im Laufe des Tages stieg der Kurs in einem positiven Börsenumfeld wieder auf Vortagsniveau.

Dank der starken Nachfrage in Südamerika und den USA stiegen die Produkt- und Serviceumsätze im zweiten Quartal insgesamt noch um sechs Prozent. Die wichtigen Lizenzverkäufe – ein Indikator für künftiges Wachstum – gingen jedoch zurück. Der Gesamtumsatz legte um vier Prozent auf 4,06 Milliarden Euro zu, unterm Strich verdiente SAP 724 Millionen Euro, zehn Prozent mehr als in der Vorjahresperiode.

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