Wirtschaft : SAP geht in den USA in Deckung

Dax-Konzern prüft Verkauf der Tochter Tomorrow-Now, um Spionagestreit mit Oracle zu entschärfen

Düsseldorf - Der der Industriespionage verdächtigte Softwarekonzern SAP macht vor den Verhandlungen mit dem Kläger und US-Konkurrenten Oracle reinen Tisch. Nachdem sich der deutsche Konzern bereits von mehreren in den Fall verwickelten Mitarbeitern getrennt hat, verlassen nun auch Andrew Nelson, Chef der SAP-Tochter Tomorrow Now, sowie mehrere weitere Führungskräfte das Unternehmen. SAP teilte mit, der Konzern prüfe sogar den kompletten Verkauf der 2005 erworbenen US-Tochter.

„Das Signal von SAP ist klar:Wir haben die Schuldigen gefunden, und wir haben sie bestraft“, sagte Analyst Jonathan Crozier von der WestLB. Mit den personellen Schnitten und dem möglichen Verkauf schaffe SAP einen großen Abstand zwischen sich und der skandalumwitterten US-Tochter Tomorrow Now.

Oracle wirft Tomorrow Now und damit auch SAP „unternehmerischen Diebstahl in großem Stil“ vor. Zwischen September 2006 und Januar 2007 hätten Mitarbeiter von SAP mehr als 10 000-mal ohne Erlaubnis Software von Oracle heruntergeladen. Mit dem systematischen illegalen Zugriff habe sich SAP Zugang zu Software verschafft, für die Oracle Milliarden von Dollar ausgegeben habe. SAP hat inzwischen zugegeben, dass es tatsächlich unautorisierte Zugriffe von Tomorrow-Now-Mitarbeitern gab. „Wir bedauern sehr, dass diese Sache passiert ist“, sagte SAP-Chef Henning Kagermann. In einer Mitteilung warnt SAP seine Aktionäre davor, dass die Oracle-Klage zu einem Gerichtsverfahren mit hohen Kosten führen könne. Bezirksrichter Martin Jenkins in San Francisco ordnete im September einen Schlichtungstermin zwischen Oracle und SAP für Februar 2008 an. Sollten sich die beiden Parteien nicht einigen, werde es im Februar 2009 zu einem Prozess kommen.

Beobachter werten die jüngsten Schritte von SAP – der Austausch der Führung von Tomorrow Now und den eventuellen Verkauf – als Friedensangebot an Oracle. Alle Erfahrung zeige, dass ein Prozess in den USA unwägbare Risiken und unüberschaubare Kosten mit sich bringe, sagte ein US-Rechtsexperte. Siemens etwa hat wegen seiner Korruptionsfälle mehr als 150 Millionen Euro für den Einsatz von US-Anwälten ausgegeben. Dennoch bestritt ein SAP-Sprecher, dass der nun im Raum stehende Verkauf von Tomorrow Now etwas mit dem drohenden Prozess in den USA zu tun habe. iw (HB)

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