Wirtschaft : SAP löst Euphorie an der Börse aus

Aktie legt nach positiven Quartalszahlen um 25 Prozent zu / Softwarekonzern wagt keine Umsatzprognose

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Frankfurt (Main) (jkn/HB). Mit großer Erleichterung und kräftigen AktienKäufen haben Investoren gestern auf die Quartalszahlen des Softwarekonzerns SAP reagiert. Die SAP-Aktie schnellte am Donnerstag um über 25 Prozent in die Höhe. Der weltgrößte Hersteller von Unternehmens-Software hatte am Morgen überraschend gute Zahlen präsentiert. Danach legte das operative Ergebnis im dritten Quartal um 111 Prozent auf 336 Millionen Euro zu. Analysten hatten im Schnitt ein Plus von nur 50 Prozent erwartet.

An der Euphorie der Anleger, die durch ebenfalls positive Überraschungen bei IBM und Nokia zusätzlichen Schwung erhielt, änderte auch die Tatsache nichts, dass SAP die bereits zur Jahresmitte reduzierte Prognose für das Umsatzwachstum kassierte. Angesichts der „nicht prognostizierbaren wirtschaftlichen und politischen Lage" sieht sich SAP nicht in der Lage, einen Ausblick für die verbleibenden zwei Monate des Jahres zu liefern. Allerdings halten die Walldorfer an ihrem Jahresziel, die Marge des auf 21 Prozent zu steigern, fest. Diese wäre gegenüber dem Vorjahr, als SAP eine Marge von 20 Prozent erzielte, eine erneute Verbesserung.

Im dritten Quartal stieg der Umsatz der SAP leicht um drei Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. „Auch in einem unruhigen ökonomischen Umfeld investieren Unternehmen beträchtlich und langfristig in Software", kommentierte Henning Kagermann, neben Plattner Vorstandssprecher der SAP, die Zahlen gestern. Überraschend gut lief das Geschäft in USA, wo die Erlöse währungsbereinigt um elf Prozent zulegten. Im schwierigsten Softwaremarkt der Welt kämpft SAP seit zwei Jahren mit Vertriebsproblemen. Die soll William R. McDermott, ein ehemaliger Manager des SAP-Rivalen Siebel, jetzt lösen. Er ist seit wenigen Wochen Chef der SAP America.

Analysten zeigten sich beeindruckt von den Ergebniszahlen: „Das Ergebnis ist sehr gut", sagte David Clayton von Credit Suisse First Boston. Seine Kollegin Coleen Kaiser von Lehman Brothers sprach sogar von „unglaublich guten Zahlen". Diese sind allerdings vor allem Folge des Sparkurses der SAP. So sanken die gesamten Kosten im dritten Quartal um acht Prozent. Der SAP-Vorstand hatte vor einigen Wochen angekündigt, in diesem Jahr rund 600 Millionen Euro einsparen zu wollen.

Nach den ersten großen Sparerfolgen halten es Analysten wie Marc Osigus von der Berenberg-Bank für möglich, dass die Walldorfer Software-Schmiede das selbst gesteckte Ziel einer Marge von 21 Prozent am Jahresende doch noch schaffen wird. Dazu müsste allerdings die Marge im jetzt laufenden vierten Quartal das stolze Niveau von 28 Prozent erreichen. Für die Experten von Nomura Securities ist dies ein sehr ehrgeiziges Ziel. Um es zu erreichen, wird dem Management von SAP wohl kaum etwas anderes übrig bleiben, als weiter an der Kostenschraube zu drehen. So kündigte Kagermann gestern an, weitere Stellen abzubauen. Auf Kündigungen soll aber verzichtet werden. Im dritten Quartal strich SAP 445 Stellen.

Auf deutlich steigende Umsätze kann SAP dagegen kaum hoffen. Das zeigt der Blick auf die Softwarelizenzen. Sie blieben zwar im dritten Quartal mit 435 Millionen Euro (minus drei Prozent) trotz der schwachen Konjunktur auf einem erstaunlich hohen Niveau. Doch seit Jahresbeginn ist der Lizenzumsatz um 14 Prozent gefallen. Da sich aus den verkauften Softwarepaketen Anschlussgeschäfte für SAP etwa im Bereich der Wartung und Schulung ergeben, deutet dies auf weitere schwierige Monate hin.

Vor diesem Hintergrund ist auch die Entscheidung des SAP-Vorstands zu sehen, die Umsatzprognose einzukassieren. Um das ursprüngliche angepeilte Umsatzplus von fünf bis zehn Prozent im gesamten Jahr zu erreichen, müssten die Erlöse in den verbleibenden drei Monaten um elf Prozent steigen. An eine derart starke Erholung mag im Management wohl keiner mehr so recht glauben. Im Gegenteil: Die SAP-Spitze hat vorsorglich sogar den Fall eines Nullwachstums im gesamten Jahr durchkalkuliert. Selbst dann würden die Margen-Ziele erreicht.

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