Wirtschaft : SAP-Management geht in die Offensive

Eidesstattliche Erklärung zu Insider-Vorwürfen / Applaus auf der Hauptversammlung

MANNHEIM(rtr/AFP).Die Aufsichtsräte und Vorstände der Software-Firma SAP haben in einer eidesstattlichen Versicherung erklärt, nicht in illegale Insider-Geschäfte mit Firmenaktien verwickelt zu sein.Auf der Hauptversammlung des Unternehmens am Mittwoch in Mannheim sagte der SAP-Aufsichtsratsvorsitzende Bernd Thiemann, daß sich die Firmenführung auf einer außerordentlichen Sitzung am Morgen zu diesem Schritt entschlossen habe.Die Mitglieder von Aufsichtsrat und Vorstand erklären dabei, sie hätten "zu keiner Zeit" illegale Insidergeschäfte getätigt oder Insider-Informationen an unbefugte Dritte weitergegeben.Laut Thiemann unterstützt der Konzern aktiv die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, um Klarheit zu schaffen: "Unser guter Ruf ist unser wichtigstes Aktivum".Sollten sich die Vorwürfe, die derzeit gegen Vorstand und Mitarbeiter erhoben werden, in irgendeiner Form bestätigen, werde es innerhalb des Unternehmens Konsequenzen geben.Die etwa 4500 Aktionäre im Mannheimer Kongreßzentrum Rosengarten begrüßten die Erklärung der Unternehmensspitze mit Beifall. Thiemann sagte, die Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder hätten auch versichert, keine börsenrelevanten Informationen an Dritte weitergegeben zu haben, sofern dies nicht nötig gewesen sei.Er hoffe, daß der Sachverhalt schnell und umfassend aufgeklärt werde.Firmenchef Dietmar Hopp fügte hinzu: "Der unglaubliche Wirbel um diesen Vorgang dürfte auch erheblichen wirtschaftlichen Schaden angerichtet haben." Konkreter äußerte er sich dazu nicht. Im vergangenen Oktober war der Kurs der Aktie des Walldorfer Konzerns um ein Viertel eingebrochen, nachdem SAP angekündigt hatte, seine Gewinnziele nach unten revidiert zu haben.Nach SAP-Angaben hatten 71 Mitarbeiter vier Tage vor der Veröffentlichung der Prognose Kenntnis von den unerwartet schlechten Daten.In den Wochen zuvor war der Kurs um 75 DM auf Spitzenwerte von 285 DM gestiegen, ohne daß nach SAP-Einschätzung positive Meldungen dafür einen Anlaß gegeben hätten. In der Zwischenzeit hat sich die SAP-Aktie aber wieder erholt: Der Kurs liegt derzeit bei rund 315 DM und damit deutlich über dem Niveau vor dem Kurssturz im Oktober.Hopp bekräftigte, es gebe bislang keinen Grund, an der Zuverlässigkeit und Verschwiegenheit der SAP-Beschäftigten zu zweifeln."Sollten die erhobenen Vorwürfe tatsächlich für den einen oder anderen Mitarbeiter zutreffen, werden wir die entsprechenden Konsequenzen ziehen", sagte er.Er kündigte an, SAP werde die internen Maßnahmen gegen Insiderhandel verstärken.Nachgedacht werde, ob der Handel von Mitarbeitern mit SAP-Aktien grundsätzlich offengelegt werden solle.Hopp ist einer von drei noch aktiven Gründungsmitgliedern des Unternehmens, die zugleich Großaktionäre von SAP sind.Das starke Wachstum des vor 25 Jahren gegründeten Konzerns hat sie zu Multimillionären gemacht. Aktionärsvertreter kritisierten die Erklärung der SAP-Führung als nicht ausreichend.Es fehle die Angabe, daß zum fraglichen Zeitpunkt im Oktober 1996 gar keine Aktiengeschäfte getätig worden seien.Aufsichtsratschef Thiemann sagte dazu, die Erklärungen beinhalteten, daß Führungsmitglieder mit Insiderwissen in der fraglichen Zeit keinerlei SAP-Aktien gehandelt hätten. Zum Geschäftsverlauf sagte Hopp, SAP befinde sich weiter "auf dem Weg des Erfolgs".1997 soll der Umsatz um 1 Mrd.auf über 4,7 Mrd.DM steigen.Sollte der Wechselkurs der D-Mark schwach bleiben, könnten diese Prognosen vielleicht noch leicht übertroffen werden.Vorstandsmitglied Henning Kagermann bezifferte den zusätzlichen Umsatz wegen der Dollaraufwertung im ersten Quartal 1997 mit 55 Mill.DM.Die USA sind noch vor Deutschland der umsatzstärkste Markt der SAP.Im vergangenen Jahr erwirtschaftete SAP einen Gewinn von 568 Mill.DM, nach 405 Mill.1995.

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