Wirtschaft : SAP senkt die Umsatzprognose

jkn

Frankfurt (Main) (jkn/HB/dpa). Der Softwarekonzern SAP AG, Walldorf, hat am Donnerstag schwache Quartalszahlen präsentiert und die Prognose nach unten revidiert. Das Management erwartet im gesamten Jahr nun ein Umsatzplus von 15 Prozent sowie eine Marge beim operativen Ergebnis auf Vorjahresniveau (20 Prozent). Ursprünglich sollten der Umsatz um mindestens 20 Prozent und die Marge um ein bis zwei Prozentpunkte steigen. Die SAP-Aktie brach um bis zu 15 Prozent ein.

SAP konnte den Umsatz im dritten Quartal zwar um 16 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro steigern. Das Vorsteuerergebnis sank aber um 27 Prozent auf 109 Millionen Euro, das Konzernergebnis fiel sogar um 55 Prozent auf 37 Millionen Euro. "Bestehende und neue Kunden verschieben gegenwärtig Entscheidungen zum Kauf von Softwarelösungen", kommentierte SAP-Vorstandssprecher Hasso Plattner die Ergebnisse. Analysten hatten weitaus bessere Zahlen erwartet, nachdem der Softwarekonzern erst kürzlich seine Prognose bekräftigt hatte. "SAP hat sich keinen Gefallen damit getan, noch vor drei Wochen die Prognose zu bestätigen, jetzt aber die Erwartungen nach unten zu revidieren", kritisierte Friederike Herkommer von der Hypo-Vereinsbank. "Die Zahlen per se sind vor dem Hintergrund gekappter IT-Budgets, der Zahlen der Konkurrenz, des allgemeinen Konjunkturumfelds sowie der Ereignisse am 11. September gar nicht so schlecht. Aber dennoch passt das alles nicht zu dem, was SAP bislang kommuniziert hatte", sagte Michael Bahlmann von M.M.Warburg & Co.

Ziele nur formal erreicht

SAP hat die eigenen Ziele formal erreicht und wohl deshalb keine Gewinnwarnung publiziert. Das Umsatzplus von 23 Prozent auf fünf Milliarden Euro in den ersten neun Monaten trifft die Vorhersagen des Managements exakt. Analysten stellt dies nicht zufrieden. "Die Zahlen des dritten Quartals sind schwach. Nur wegen des relativ starken ersten Halbjahres konnte SAP die offiziell vorgegebenen Ziele für die ersten neun Monate erreichen", sagte Bahlmann von M.M. Warburg. "Die Zahlen sind nicht nur am unteren Ende der Erwartungen, auch ihre Qualität hat sich verschlechtert", ergänzte Herkommer von der Hypo-Vereinsbank mit Blick auf die sinkenden Margen.

Auch im Detail spiegeln die SAP-Zahlen die Folgen der Konjunkturschwäche wider. Zwar legte der Produktumsatz im dritten Quartal um neun Prozent auf 995 Millionen Euro zu, der margenstarke Verkauf von Softwarelizenzen fiel allerdings um sieben Prozent auf 447 Millionen Euro. Bei den Wachstumsprodukten SCM und CRM (Software für die Steuerung der Zulieferkette sowie des Kunden-Managements) konnte SAP Boden gut machen. Deren Anteile an den gesamten Softwareerlösen betrugen 17 beziehungsweise 22 Prozent. Enttäuschend ist der Umsatzrückgang um sechs Prozent in der Region Asien/Pazifik. Im schwierigen amerikanischen Markt legten die Umsätze um sieben Prozent auf 613 Millionen Euro zu, währungsbereinigt sogar um neun Prozent.

Das SAP-Management will stärker als bislang auf die Kostenbremse treten. Vor allem in den USA werde die Zahl der Mitarbeiter "angepasst", hieß es. Massenentlassungen wie bei einigen US-Konkurrenten sind aber offensichtlich nicht gemeint. Man werde sich von Mitarbeitern trennen, die den Leistungsanforderungen nicht gerecht würden. "Wir werden weiter einstellen, aber dabei genauer hinschauen", sagte ein Sprecher.

SAP-Konkurrent Siebel abgestürzt

Der amerikanische SAP-Konkurrent Siebel Systems, der führende Anbieter von Kundenverwaltungs-Software für Unternehmen, wies unterdessen im dritten Quartal 2001 einen starken Umsatz- und Gewinnrückgang aus. Der Quartalsgewinn schrumpfte gegenüber dem dritten Quartal 2000 um 48 Prozent auf nur noch 35,2 Millionen Dollar (39 Millionen Euro). Der Quartalsumsatz fiel auf 428,5 (Vorjahr: 496,5) Millionen Dollar. Die Lizenzeinnahmen sackten auf 193,3 (308,8) Millionen ab.

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