Wirtschaft : SAP: Softwarehersteller enttäuscht die Erwartungen der Märkte

Der Softwarehersteller SAP AG hat im dritten Quartal 2000 seinen Gewinn im Vergleich zum schwachen Vorjahresquartal kräftig gesteigert, die Erwartungen der Finanzmärkte damit aber nicht erfüllt. Der Walldorfer Konzern teilte am Donnerstag mit, der Überschuss habe sich zwischen Juli und September auf 88 (Vorjahr 45) Millionen Euro nahezu verdoppelt. Der Umsatz sei um 27 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro gewachsen. Für das vierte Quartal sagte SAP trotz der hohen Vergleichszahlen des starken Vorjahresquartals weitere Umsatzzuwächse voraus. Die Ergebniszahlen des dritten Quartals lagen geringfügig unter den Erwartungen einiger Analysten. An der Börse verlor die SAP-Aktie deutlich an Wert.

SAP teilte weiter mit, der operative Gewinn sei von Juli bis September um 80 Prozent auf 148 Millionen Euro gestiegen. Darin seien Kosten für das Mitarbeiter-Prämienprogramm Star von 54 (Vorjahr 25) Millionen Euro enthalten. Ohne diese Kosten sei der Betriebsgewinn um 89 Prozent auf 202 Millionen Euro gewachsen. Insgesamt habe sich der Umsatz in den ersten neun Monaten um 19 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro erhöht, gab SAP weiter bekannt. Durch die Kosten für das Star-Programm von bislang 388 Millionen Euro sei der Überschuss um neun Prozent auf 260 Millionen Euro gesunken. Die Zahl der Mitarbeiter nahm seit Ende Juni um 804 auf nunmehr 23 992 zu.

Vorstandssprecher Hasso Plattner teilte mit, die Internet- Plattform mySAP.com habe sich im dritten Quartal weiter als die führende E-Business-Plattform etabliert. "Der Markt erkennt die Leistungsfähigkeit unserer neuen Lösung", sagte er. Nach Angaben von SAP wuchsen die Umsätze mit Softwarelizenzen zwischen Juli und September um 53 Prozent auf 480 Millionen Euro. Mit mySAP.com sei ein Umsatz von 294 Millionen Euro erzielt worden, was einem Lizenzanteil von 61 Prozent entspreche. Mit mySAP.com können Kunden die betriebswirtschaftlichen Standardprogramme von SAP betreiben und auch Geschäfte im Internet tätigen. Co-Vorstandssprecher Henning Kagermann sprach in der Mitteilung von einem "sehr guten dritten Quartal". Für das vierte Quartal würden weitere Zuwächse erwartet. "Die Nachfrage nach mySAP.com ist gut, so dass wir gegenüber dem extrem starken vierten Quartal 1999 ein solides Umsatzwachstum erwarten", sagte er. 1999 hatte SAP insgesamt bei 5,11 Milliarden Euro Umsatz einen Gewinn von 601 Millionen Euro ausgewiesen. Das vierte Quartal ist traditionell das umsatzstärkste Quartal von SAP.

Die Zahlen des führenden europäischen Softwarekonzerns lagen leicht unter den Erwartungen einiger Analysten, die im Schnitt ohne Star-Kosten einen operativen Gewinn von 232 Millionen Euro erwartet hatten. Der Quartalsbericht folgte Geschäftszahlen von Softwarekonzernen wie dem SAP-Konkurrenten Peoplesoft, Microsoft und dem Internet-Spezialisten Ariba, die die Erwartungen übertroffen hatten. Der Kurs der SAP-Vorzugsaktie gab an der Börse zeitweise um mehr als acht Prozent nach und lag am Mittag mit 230,50 Euro noch 5,1 Prozent im Minus. Das Börsenbarometer Dax, in dem auch die SAP-Aktie enthalten ist, lag zeitgleich 1,1 Prozent im Plus. "Die Zahlen liegen am unteren Rand der Erwartungen, und das ist schlecht", sagte ein Händler. Analyst Brian Skiba von der Investmentbank Lehman Bros sagte, die Zahlen seien durchwachsen. Es scheine, als wäre das Produktgeschäft des Walldorfer Software-Konzerns sehr solide, aber das Dienstleistungsgeschäft scheine etwas Probleme zu machen. Im dritten Quartal war der Umsatz von SAP aus Beratung um zwei und aus Schulungen um sechs Prozent gewachsen. Skiba sagte weiter, auch der Amerika-Umsatz hätte angesichts der Dollar-Stärke noch ein wenig stärker ausfallen sollen als mit Plus 17 Prozent ausgewiesen.

Alla Gorelova vom Bankhaus Sal Oppenheim sagte, der Umsatz von SAP habe leicht und das Ergebnis deutlicher unter den Erwartungen gelegen. "Insgesamt war das Quartal o.k.", sagte sie. Die beste Nachricht sei die vom Geschäft mit mySAP.com gewesen. "Das ist ein guter Indikator, dass sich das Produkt gut entwickelt", sagte sie. Zum Rückgang des SAP-Kurses sagte sie, derzeit müssten Technologiefirmen die Erwartungen übertreffen, um die Börse zu überzeugen.

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