Wirtschaft : SAP: Softwarekonzern überrascht mit guten Zahlen

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Die SAP AG hat die von Wachstumszweifeln dominierten Technologie-Investoren mit einer guten Nachricht überrascht. Der Softwarekonzern gab erste Zahlen zum vierten Quartal 2000 bekannt. Danach konnte der Konzern seinen Umsatz gegenüber dem sehr starken Vorjahresquartal um 27 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro steigern. Analysten hatten mit niedrigeren Wachstumsraten gerechnet. Die Vorzüge des Software-Konzerns reagierten mit einem Kurssprung von über 20 Prozent.

Zwar hat SAP nur eine Trendmeldung geliefert, die eigentlichen Ergebnisse werden am 23. Januar vorgestellt. Doch die vorläufigen Resultate zeigen, dass sich die SAP-Software besser verkauft hat als erwartet. So legte der Umsatz mit Softwarelizenzen - dies ist das Kerngeschäft - um 25 Prozent auf eine Milliarde Euro zu. Das operative Ergebnis ohne die Kosten für das Mitarbeiter-Beteiligungsprogramm stieg um über 40 Prozent auf gut 600 Millionen Euro an. Die Zahlen lassen vermuten, dass sich die Marge des Internet-Produkts "mySAP.com" verbessert hat. Noch im dritten Quartal hatten Analysten über das niedrige Niveau dieser Kennzahl geklagt.

Dass SAP kurzfristig vorläufige Zahlen publiziert hat, liegt an dem großen Druck von Seiten der Finanzmärkte. Seit Wochen wird darüber spekuliert, ob und wie stark der deutsche Software-Konzern davon betroffen sein wird, dass US-Unternehmen wegen der dortigen Konjunktur-Abschwächung ihre Investitionen strecken oder kürzen. Zudem hatten die beiden SAP-Chefs Hasso Plattner und Henning Kagermann bei der Vorlage der Neun-Monats-Zahlen eine zurückhaltende Prognose für das letzte Vierteljahr abgegeben. Als der Software-Spezialist Intershop wegen großer Probleme in den USA in der vergangenen Woche mit einer Gewinnwarnung überraschte, gab es bei der SAP-Aktie kein Halten mehr.

"Das vierte Quartal ist besser als ich erwartet hatte", erklärte Friederike Herkommer von der Hypo-Vereinsbank. Gerade vor dem Hintergrund der hohen Vergleichsbasis - im vierten Quartal 1999 hatte der Software-Konzern seine Umsätze um 30 Prozent nach oben geschraubt - müsse das Umsatzwachstum als sehr gut eingestuft werden. Auch das operative Ergebnis könne sich "sehen lassen". Wie Herkommer auch werten viele Aktienexperten den SAP-Geschäftserfolg als wichtigen Beleg dafür, dass EDV für Geschäfte zwischen Unternehmen im Internet (B2B) weiter stark nachgefragt wird. ABN Amro, die erst am vergangenen Freitag bei SAP ihre Gewinnerwartung nach unten revidiert hatten, stuften das Papier gestern auf "Kaufen".

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