Wirtschaft : SAP stürmen weiter gen Himmel

International nur noch von Microsoft übertroffen / Aktienkurse kletterten um rund 200 Prozent WALLDORF (shf/HB).Die SAP-Gruppe setzt ihren Höhenflug fort.Dabei wird die Walldorfer Software-Schmiede von den Turbulenzen in Asien offenbar kaum gebremst.Bis zuletzt habe man keine signifikanten Beeinträchtigungen infolge der Finanzkrise registriert, betonte der SAP-Vorstand am Dienstag.Allerdings, räumt der Vorstand ein, werde der Unsicherheit über die Situation in Fernost mit einer vergleichsweise moderaten Prognose für das laufende Jahr 1998 Rechnung getragen. Für das laufende Jahr rechnet SAP mit einem weiteren Umsatz- und Ertragsplus von 30 bis 35 Prozent.Im abgelaufenen Jahr steigerte die Gruppe ihre Erlöse um 62 Prozent auf 6,02 Mrd.DM, wobei das Fernostgeschäft um 66 Prozent auf 807 Mill.DM expandierte.Mit einem Netto-Gewinn von 924 Mill.DM (plus 63 Prozent) und einem Ergebnis von 8,86 (5,48) DM je Aktie wurden die Erwartungen des Marktes nochmals leicht übertroffen.Vorstandssprecher Dietmar Hopp stellte eine Dividendenerhöhung in Aussicht.In der Vergangenheit sei sie in der Regel so erhöht worden, wie sich der Gewinn entwickelt habe: "Es spricht wahrscheinlich nichts dagegen, daß dies dieses Jahr auch wieder so sein wird." Einen Bonus wie im vergangenen Jahr werde es aber nicht geben.Für 1996 hatte SAP 1,80 DM je Stammaktie und 1,85 DM je Vorzugsaktie ausgeschüttet.Zudem hatten die Aktionäre einen Jubiläumsbonus von 0,50 DM je Anteil erhalten.Gleichwohl sorgten Gewinnmitnahmen nach den kräftigen Kurssteigerungen der Vortage dafür, daß die SAP-Vorzüge gestern leicht auf 635,50 (641,40) DM nachgaben. Analysten räumen dem Software-Spezialisten unterdessen gute Chancen ein, seine relativ vorsichtigen Prognosen im laufenden Jahr abermals zu übertreffen.Dafür spricht unter anderem ein geplanter Personalausbau um rund 40 Prozent sowie die ungebrochene Zuversicht des SAP-Vorstandes für das Geschäft mit betrieblicher Anwendungs-Software.Das Potential für derartige Systeme zur Unterstützung und Automatisierung innerbetrieblicher Prozesse sei nach wie vor gewaltig, sagte Hopp.Sowohl im Bereich der Großunternehmen als auch in der mittelständischen Wirtschaft bestehe hier weiter enormer Nachholbedarf.In den vergangenen 15 Monaten habe SAP sehr gute Zuwächse erreicht.Es sei nicht vermessen, bis zur Jahrtausendwende einen Umsatzanstieg auf eine zweistellige Milliardensumme zu erwarten.Falls Mitbewerber nicht ähnlich attraktive Produkte wie SAP auf den Markt brächten, "wird sich die SAP sehr gut weiterentwickeln".Der Bedarf an Standardsoftware für betriebswirtschaftliche Abläufe, wie sie SAP produziert, sei jedenfalls riesig. Zu dem Wachstum im vergangenen Jahr haben auch die günstigen Devisenkurse beigetragen.Nach Firmenangaben bewirkte die Abwertung der D-Mark einen zusätzlichen Umsatz von 423 Mill.DM oder elf Prozentpunkte des gesamten Zuwachses.Der Vorsteuergewinn nahm durch die Entwicklung der Devisenkurse um 117 Mill.DM oder zwölf Prozentpunkte zu.In dem stark expandierenden Markt für standardisierte Betriebs-Software konnte SAP ihren globalem Marktanteil nach Schätzung von Analysten mittlerweile auf gut 30 Prozent ausbauen. Sie hat dabei offenbar auch den Vorsprung gegenüber den besonders schnell wachsenden, aber weitaus kleineren Konkurrenten Peoplesoft und Baan behaupten können, die voraussichtlich in den kommenden Tagen ihre 97er Zahlen vorlegen werden.Der Erfolg im Software-Geschäft bescherte den SAP-Vorzügen seit Anfang 1997 einen Kursgewinn von rund 200 Prozent, was die Börsenkapitalisierung des Software-Konzerns auf rund 64 Mrd.DM katapultierte.In Deutschland avancierte SAP damit zu dem am dritthöchsten bewerteten Unternehmen nach Allianz und Telekom.Im Software-Beeich wird die Gruppe weltweit nur noch von dem US-Riesen Microsoft (167 Mrd.Dollar) übertroffen. Um ihren internationalen Bekanntheitsgrad weiter zu steigern, plant SAP für das 3.Quartal 1998 die Einführung der Vorzugsaktie an der New York Stock Exchange.Eine Kapitalerhöhung werde damit nicht verbunden sein, betonte Hopp.Er geht davon aus, daß bereits etwa 40 Prozent der SAP-Aktien, die sich im Streubesitz befinden, von US-Investoren gehalten werden.

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